Landtag

Zum 40-jährigen Bestehen der Grünen-Landtagsfraktion blickten frühere und heutige Fraktionsmitglieder auf den Wandel der Partei zurück. (Foto: dpa/Peter Kneffel)

31.07.2026

40 Jahre Grüne im Landtag: Wandlung einer Partei

Vor 40 Jahren zogen die Grünen in den Landtag ein: eine wilde Zeit

Als die Grünen vor 40 Jahren erstmals in den Bayerischen Landtag einzogen, war Fraktionschefin Katharina Schulze gerade ein Jahr alt. Zum Jubiläum holte sie deshalb Zeitzeugen auf die Bühne – darunter die ersten Fraktionsvorsitzenden Hartmut Bäumer und Margarete Bause. Wie „Aussätzige“ seien die Grünen damals von der männerdominierten CSU behandelt worden, erinnerte sich Bäumer. Bause verwies darauf, dass neun Frauen der damals 15-köpfigen Fraktion angehörten. „Wir haben den Frauenanteil im Landtag damit auf einen Schlag verdoppelt“, sagte sie.

Bunt gekleidet, mit Strickpullovern, Turnschuhen, Sonnenblumen und einem Säckchen mit Tschernobyl-verstrahltem Heu zogen die Grünen 1986 ins Parlament ein. Mit 7,5 Prozent der Stimmen hatten sie vor allem der SPD Wähler abgenommen. Die Sozialdemokraten wollten ihre angestammten Plätze auf der linken Seite des Plenarsaals zunächst nicht räumen. Erst Landtagspräsident Franz Heubl (CSU) vermittelte – und mahnte die Neulinge zugleich, sich an parlamentarische Gepflogenheiten zu halten.

Früher Turnschuhe, heute Abendgarderobe

Beim Jubiläumsfest im Landtag zeigte sich, wie weit sich die Partei seitdem verändert hat. Statt Protestsymbolen dominierten Abendkleider und Anzüge, Schuhplattler sorgten für Unterhaltung. Unter den Gästen waren Vertreter von Kirchen und Wirtschaftsverbänden, der Präsident des Verfassungsschutzes sowie frühere CSU-Größen wie Günther Beckstein und Christa Stewens. Der CSU-Abgeordnete Steffen Vogel erschien passend zum Anlass im grünen Anzug und mit Turnschuhen.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben, und unsere Geschichte ist noch lange nicht auserzählt“, sagte Schulze. Die Grünen hätten Bayern verändert – und sich selbst. Umwelt- und Gleichstellungspolitik seien heute politischer Standard. Zugleich habe die Partei dazugelernt: Freiheit und Sicherheit gehörten zusammen, Heimat könne ein positiver Begriff sein, Frieden brauche Verteidigungsfähigkeit und moralische Appelle allein reichten nicht aus.

Verantwortung statt Rebellion

Als Fazit zog Schulze, die Grünen seien heute weniger rebellisch – nicht weil sie ihre Ideale aufgegeben hätten, sondern weil Verantwortung der wirksamste Weg sei, diese umzusetzen. Damit beschrieb sie zugleich den Wandel einer Partei, die einst als Bürgerschreck galt und heute fest zum politischen Establishment in Bayern gehört. (Jürgen Umlauft)

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