Landtag

Bei den großen bayerischen Universitätsklinikneubauten soll der Hitzeschutz künftig stärker berücksichtigt werden. (Symbolfoto: dpa/Dmitrii Marchenko)

20.08.2026

Hitzeschutz für Unikliniken: Staatsregierung kennt keine Messwerte

Trotz der aktuellen Hitzewelle liegen dem Wissenschaftsministerium keine Raumtemperaturen aus den bayerischen Universitätskliniken vor. Allerdings seien auch keine Beschwerden von Beschäftigten oder Patientinnen und Patienten eingegangen

Ende Juni sollen die Raumtemperaturen auf mehreren Stationen des Universitätsklinikums Würzburg laut Presseberichten sowie Aussagen von Beschäftigten, Patientinnen und Patienten deutlich über 30 Grad gestiegen sein. Betroffen gewesen seien sowohl Patientenzimmer als auch Teamräume.

Die Landtags-Grünen wollten deshalb von der Staatsregierung wissen, wie groß die Hitzebelastung an den Universitätskliniken in Würzburg, Erlangen und München tatsächlich war, welche Maßnahmen geplant sind und wie der Freistaat die Kliniken beim Hitzeschutz unterstützt. Dazu stellten die Grünen-Landtagsabgeordneten Patrick Friedl, Christian Zwanziger und Florian Siekmann jeweils Anfragen.

Ministerium hat keine Messwerte

Für die Hitzewelle Ende Juni und Anfang Juli liegen dem Wissenschaftsministerium nach eigenen Angaben keine gemessenen Raumtemperaturen aus den drei Universitätskliniken vor. Allerdings seien beim Ministerium auch keine Beschwerden von Beschäftigten oder Patientinnen und Patienten eingegangen. „Nähere Erkenntnisse, insbesondere gemessene Raumtemperaturen, liegen dem Staatsministerium ebenfalls nicht vor“, heißt es in den Antworten.

Das Haus von Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) verweist darauf, dass die Universitätskliniken rechtlich selbstständige Einrichtungen seien und den Hitzeschutz für Patienten, Besucher und Beschäftigte selbst wahrnähmen. In den Bestandsgebäuden gebe es je nach Raumnutzung und Schutzbedürftigkeit unterschiedliche Klimatisierungssysteme. Bei Bedarf könnten die Kliniken Hitzeschutzmaßnahmen aus den regulären Mitteln für kleine Baumaßnahmen umsetzen.

Auch die in den Anfragen genannten Hitzeschutzprojekte sind dem Ministerium nach eigener Aussage nicht näher bekannt. Das betrifft das Projekt „Hitzeschutz – Pflege in Bayern“ am LMU Klinikum und „ProTECT“ am Universitätsklinikum Augsburg. Mittelbedarfe oder andere Unterstützungsleistungen seien von den Universitätsklinika bislang nicht geltend gemacht worden.

Mehr Kühlung bei den Neubauten

Bei den drei großen Universitätsklinikneubauten in Augsburg, Würzburg und München-Großhadern sollen nach Angaben der Staatsregierung verschiedene technische Maßnahmen für die Kühlung vorgesehen werden. Genannt werden Kühldecken, in Fußbodenflächen integrierte Kühlung, Umluftkühlgeräte und Lüftungsanlagen. Außerdem sei ein automatisch gesteuerter außenliegender Sonnenschutz geplant.

Darüber hinaus wolle der Freistaat Möglichkeiten einer vollständigen Klimatisierung prüfen, „gerade auch in Patientenzimmern“, heißt es in den Antworten. Für bestehende Gebäude verweist die Staatsregierung dagegen auf die regulären Mittel der Universitätskliniken.

Am 23. Juli beschloss der Bayerische Landtag einen Dringlichkeitsantrag von CSU und Freien Wählern zum Hitzeschutz in Krankenhäusern. Die Staatsregierung soll unter anderem baulichen und technischen Hitzeschutz bei Neubauten und Sanierungen berücksichtigen, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen unterstützen und gemeinsam mit den Krankenhausträgern Lösungen für bestehende Gebäude entwickeln.

Grüne fordern konkrete Maßnahmen

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, fordert angesichts der Hitze eine schnelle Umsetzung des Hitzeschutzes. „Die Staatsregierung muss den Landtagsbeschluss zum Hitzeschutz jetzt zügig umsetzen“, sagt Schulze. Sie fordert schnelle Hilfe, ausreichend Geld und wirksamen Schutz für Patientinnen, Patienten und Beschäftigte.

Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung, verlangt konkrete Maßnahmen und eine systematische Nutzung vorhandener Erfahrungen. „Für wirksamen Hitzeschutz braucht es Daten, Pläne und Geld“, sagt Friedl. Temperaturen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen müssten erfasst, Hitzepläne erstellt und Erfahrungen aus Projekten wie „ProTECT“ und „Hitzeschutz – Pflege in Bayern“ nutzbar gemacht werden.

Schulze sieht die Staatsregierung nun in der Pflicht: „Die Dringlichkeit haben sie wohl begriffen. Jetzt muss die Staatsregierung daraus konkrete Hilfe machen. Patientinnen, Patienten und Pflegekräfte brauchen kühle Räume statt weiterer Prüfschleifen.“ (loh)

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