Landtag

Microsoft-Produkte gehören zum Alltag in Bayerns Behörden – die Ausgaben des Freistaats dafür steigen jedoch deutlich. (Foto: dpa/Alexander Pohl)

11.06.2026

Microsoft: Bayerns Ausgaben steigen um mehr als 60 Prozent

Fast 49 Millionen Euro für Microsoft-Produkte: Die Grünen sehen darin ein Warnsignal für die wachsende Abhängigkeit bayerischer Behörden von Software und Cloud-Diensten des US-Konzerns

Word, Outlook, Teams oder Cloud-Dienste: In Bayerns Behörden läuft ein großer Teil der täglichen Arbeit über Produkte von Microsoft. Doch die Kosten dafür steigen deutlich. Seit 2020 haben sich die Ausgaben des Freistaats für Microsoft-Lizenzen um mehr als 60 Prozent erhöht – von rund 30 Millionen Euro auf knapp 49 Millionen Euro im Jahr 2025.

Der Landtagsabgeordnete Benjamin Adjei (Grüne) wollte wissen, wie viel die Staatsregierung im Haushaltsjahr 2025 für Microsoft-Lizenzen, Dienstleistungen und Geräte ausgegeben hat, welche Ressorts besonders hohe Summen zahlen und wie die Staatsregierung die steigenden Kosten erklärt. Außerdem fragte er nach möglichen weiteren Preissteigerungen und Maßnahmen zur Begrenzung der Ausgaben.

Wie aus der Antwort des Digitalministeriums hervorgeht, lagen die Kosten 2020 noch bei rund 30 Millionen Euro, 2025 inzwischen bei rund 49 Millionen Euro – ein Plus von mehr als 60 Prozent. Das Ministerium verweist allerdings darauf, dass direkte Vergleiche zwischen einzelnen Haushaltsjahren nur eingeschränkt möglich seien. Unterschiedliche Beschaffungszyklen, Personalzuwächse, Neulizenzierungen, Sicherheitsanforderungen oder Mehrjahresverträge könnten die Zahlen beeinflussen.

Millionen für Lizenzen in den Ressorts

Besonders hohe Summen fallen in einzelnen Ministerien an. Im Justizministerium summieren sich allein die Ausgaben für Microsoft-365-Lizenzen auf mehrere Millionen Euro. So wurden für „M365 E5 From SA Unified Per User“ mehr als 8,4 Millionen Euro ausgewiesen, hinzu kommen unter anderem weitere 1,1 Millionen Euro für „M365 E5 Unified Per User“ sowie Kosten für Teams, Copilot oder Power-Automate-Anwendungen.

Auch im Innenministerium liegen die Ausgaben hoch. Dort wurden unter anderem rund 3 Millionen Euro für Microsoft 365 (M365) sowie weitere größere Beträge für Windows-Lizenzen, Exchange-Dienste und Serverprodukte veranschlagt. Im Landwirtschaftsministerium fallen rund 2,6 Millionen Euro für M365-E3-Lizenzen an, im Umweltministerium gut 2,1 Millionen Euro für entsprechende Microsoft-365-Produkte.

Staatsregierung verweist auf höhere Anforderungen

Das Digitalministerium nennt mehrere Gründe für steigende Kosten. Unterschiede zu den Zahlen aus dem Jahr 2020 könnten etwa auf veränderte Bedarfslagen, zusätzliche Beschäftigte, Produktwechsel, neue Sicherheitsanforderungen oder zulässige Preissteigerungen zurückgehen. Zudem würden Geräte oft über mehrere Jahre genutzt und nicht jährlich neu beschafft, sodass einzelne Haushaltsjahre stärker belastet sein könnten als andere.

Preisentscheidungen der Hersteller lägen zudem außerhalb des direkten Einflusses des Freistaats. Um Kosten zu begrenzen, setze Bayern auf Ausschreibungen, Rahmenverträge und eine fortlaufende Optimierung von Lizenztypen und Verträgen. „Zur Begrenzung möglicher Mehrbelastungen erfolgen zielgerichtete Maßnahmen“, erklärt das Digitalministerium. Dazu gehörten auch die Suche nach Einsparpotenzialen und eine „bedarfsgerechte Lizenzierung“.

Grüne sehen Gefahr wachsender Abhängigkeiten

Benjamin Adjei, Sprecher für Digitales der Grünen, verweist auf die zuletzt geführte Debatte um einen möglichen Microsoft-Rahmenvertrag des Freistaats. „Der Microsoft-Deal ist vom Tisch, weil der öffentliche Druck gewirkt hat. Das ist ein echter Erfolg für digitale Souveränität in Bayern“, erklärt der Grünen-Politiker. Die aktuellen Zahlen zeigten zugleich, wie stark die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter geworden sei.

Aus Sicht der Grünen brauche Bayern deshalb eine ressortübergreifende Strategie für digitale Souveränität, mehr Zusammenarbeit mit anderen Ländern und dem Bund sowie bessere Chancen für heimische und europäische Anbieter bei öffentlichen IT-Aufträgen. (loh)

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