Landtag

Burschenschaften prägen vielerorts das studentische Leben – stehen jedoch immer wieder wegen möglicher politischer Netzwerke in der Kritik. (Foto: dpa)

30.03.2026

Nähe zur extremen Rechten? SPD nimmt Burschenschaften ins Visier

Tradition oder problematische Netzwerke? Eine SPD-Anfrage rückt studentische Verbindungen in den Fokus. Die Staatsregierung sieht keine pauschale Gefahr, nennt aber Einzelfälle mit extremistischen Bezügen

Ein Verbindungshaus in einer Universitätsstadt, studentische Traditionen, gemeinsame Veranstaltungen – Burschenschaften gehören an vielen Hochschulorten zum studentischen Alltag. Gleichzeitig stehen einige dieser Verbindungen seit Jahren in der Kritik, Kontakte in rechtsextreme Kreise zu pflegen.

Die Landtagsabgeordneten Christiane Feichtmeier und Anna Rasehorn (beide SPD) fragten jetzt nach Einschätzungen und Erkenntnissen der Staatsregierung. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Burschenschaften in Bayern aktiv sind – und ob einzelne davon vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Die Staatsregierung macht in ihrer Antwort klar: Eine pauschale Bewertung gibt es nicht. Entscheidend seien „die besonderen Umstände des Einzelfalls“. Burschenschaften seien keine einheitliche Gruppe, sondern unterschieden sich teils deutlich in Ausrichtung und Zielsetzung.

Keine pauschale Einordnung

Eine generelle Einstufung studentischer Verbindungen als extremistisch lehnt die Staatsregierung ab. Entscheidend sei immer der Einzelfall. Beobachtet werde nur, wenn es konkrete Hinweise auf verfassungsfeindliche Bestrebungen gebe. Grundlage dafür seien Bestrebungen, „die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind“.

Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass sowohl Verbindungen als auch einzelne Personen in den Fokus geraten können, wenn es entsprechende Bezüge gibt. Allein die Zugehörigkeit zu einer Burschenschaft reiche dafür aber nicht aus.

Konkrete Zahlen nennt die Staatsregierung nur begrenzt. Dies hänge mit rechtlichen Vorgaben zusammen: Daten würden nur so lange gespeichert, „wie dies für die aktuelle Einschätzung erforderlich ist“.

Neu ist der Hinweis, dass sich Beobachtungen nicht zwingend nur auf aktive Mitglieder beschränken. Auch ehemalige Mitglieder könnten weiterhin relevant sein – entscheidend sei, ob von ihnen weiterhin extremistische Bestrebungen ausgehen.

Verbindungen und Netzwerke

Die SPD wollte außerdem wissen, ob es personelle oder organisatorische Überschneidungen mit rechtsextremen Gruppen gibt. Laut Staatsregierung kann es solche Bezüge im Einzelfall geben.

Von einem flächendeckenden Problem geht sie aber nicht aus. Ob eine Beobachtung nötig ist, müsse jeweils konkret geprüft werden. Entscheidungen würden „ausschließlich auf der Grundlage der gesetzlichen Tatbestandsvoraussetzungen“ getroffen.

Konkret nennt die Staatsregierung auch einzelne Fälle von Veranstaltungen, bei denen Referenten aus der rechtsextremen Szene aufgetreten sind. Solche Beispiele zeigen, dass Verbindungen zumindest punktuell als Plattform für entsprechende Akteure dienen können.

Gleichzeitig wird deutlich: Studentische Verbindungen werden auch als Netzwerke gesehen. Sie ermöglichen Kontakte und Austausch – oft weit über die Studienzeit hinaus. Ob daraus politische oder extremistische Strukturen entstehen, hängt laut Staatsregierung stark vom Umfeld und den beteiligten Personen ab.

SPD fordert mehr Transparenz

Aus Sicht der SPD bleiben dennoch viele Fragen offen. Ziel der Anfrage sei es gewesen, mehr Transparenz über mögliche rechtsextreme Einflüsse in studentischen Verbindungen zu bekommen.

Kritisch sieht die SPD vor allem, dass viele Informationen nur eingeschränkt öffentlich gemacht werden. Gerade bei möglichen personellen Überschneidungen oder Veranstaltungen mit extremistischen Bezügen bleibt das Bild aus ihrer Sicht lückenhaft.

Die Staatsregierung verweist dagegen auf rechtliche Grenzen. Informationen zu einzelnen Organisationen dürften nur veröffentlicht werden, wenn das rechtlich zulässig ist. Zudem müssten nachrichtendienstliche Erkenntnisse geschützt werden.

In ihrer Antwort betont sie mehrfach, dass Bewertungen immer auf konkreten Erkenntnissen beruhen müssen. Eine pauschale oder politisch motivierte Einstufung von Burschenschaften lehnt sie ab.

Gleichzeitig wird betont, dass mögliche Verbindungen in den extremistischen Bereich weiterhin beobachtet werden, sofern entsprechende Hinweise vorliegen. (loh)

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