Landtag

Tägliches Zähneputzen gehört in manchen Kitas zum Alltag. Wie viele Einrichtungen in Bayern dies regelmäßig anbieten, wird jedoch nicht erfasst. (Foto: dpa/Christian Charisius)

25.06.2026

Zähneputzen in Kitas bleibt Sache der Träger

Wie viele Kitas in Bayern tägliches Zähneputzen anbieten, weiß die Staatsregierung nicht. Die zuletzt bekannten Daten zur Zahngesundheit von Kindern stammen aus einer Untersuchung von 2016. Das zeigt eine Anfrage der AfD

Nach dem Frühstück im Kindergarten gehört Zähneputzen für viele Kinder zu den ersten festen Routinen des Tages. Gerade in den frühen Jahren entscheidet sich, ob Mundpflege selbstverständlich wird. Wie es um die Zahngesundheit von Kindern in Bayern steht, welche Unterschiede es gibt und welche Rolle Kindertagesstätten dabei spielen, wollten die Landtagsabgeordneten Roland Magerl, Andreas Winhart, Matthias Vogler, Elena Roon und Franz Schmid (alle AfD) von der Staatsregierung wissen. Sie fragten nach Kariesdaten, Präventionsangeboten, täglichem Zähneputzen in den Einrichtungen und einer möglichen gesetzlichen Regelung.

Die Daten stammen aus einer Untersuchung von vor zehn Jahren

Das Gesundheitsministerium verweist bei den verfügbaren Daten auf die letzte epidemiologische Begleituntersuchung zur Gruppenprophylaxe aus dem Jahr 2016 – also vor zehn Jahren. „Im Rahmen der letzten epidemiologischen Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe im Jahr 2016 zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Bildungsstatus und Zahngesundheit von Kindern in Bayern“, heißt es in der Antwort.

Demnach hatten 61,2 Prozent der sechs- bis siebenjährigen Kinder ein naturgesundes Milchgebiss. Der durchschnittliche dmft-Index lag bei 1,37. Das bedeutet, dass pro Kind im Schnitt gut ein Milchzahn kariös, fehlend oder bereits gefüllt war.

Bei den Zwölfjährigen hatten 71,7 Prozent ein naturgesundes bleibendes Gebiss. Der entsprechende Index lag bei 0,62. Kinder an Mittelschulen wiesen in der Untersuchung häufiger Karieserfahrungen auf als Kinder an Realschulen oder Gymnasien. Zu regionalen Unterschieden liegen der Staatsregierung keine Informationen vor.

Keine Zahlen zum Zähneputzen in Kitas

Wie viele Kindertageseinrichtungen tägliches Zähneputzen anbieten, wird in Bayern nicht erfasst. Das Familienministerium erhebe dazu keine Daten. „Insofern können hierzu keine Aussagen getroffen werden“, heißt es in der Antwort.

Damit lässt sich weder sagen, wie viele Kitas das Zähneputzen regelmäßig in ihren Tagesablauf einbauen, noch ob es Unterschiede zwischen den Regierungsbezirken gibt. Die Staatsregierung verweist zugleich darauf, dass Gesundheitsförderung und Gesundheitsbildung für staatlich geförderte Einrichtungen verbindliche Bildungs- und Erziehungsziele sind.

Im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan wird die Zahngesundheit ausdrücklich genannt, darunter der „Erwerb von Techniken der richtigen Zahn- und Mundpflege“. Wie die Vorgaben im Alltag umgesetzt werden, entscheiden die Träger jedoch selbst.

Keine Pflicht im Kitarecht geplant

Eine gesetzliche Pflicht zum täglichen Zähneputzen in Kitas plant die Staatsregierung nicht. Die bestehenden Bildungs- und Erziehungsziele seien bereits verbindlich verankert, erklärt das Familienministerium.

„Die Überprüfung einer spezifischeren gesetzlichen Verpflichtung würde einen enormen zusätzlichen Verwaltungsaufwand für die Träger, die Einrichtungen und die zuständigen Behörden nach sich ziehen“, heißt es in der Antwort. Das stehe dem Ziel entgegen, Verwaltungsabläufe zu entbürokratisieren.

Auch zusätzliche alternative Maßnahmen sieht die Staatsregierung derzeit nicht vor. Sie verweist stattdessen auf die bestehende Gruppenprophylaxe und die Arbeit der Bayerischen Landesarbeitsgemeinschaft Zahngesundheit.

Programme für Kitas und Schulen

Die Bayerische Landesarbeitsgemeinschaft Zahngesundheit setzt Maßnahmen der Gruppenprophylaxe in Kitas sowie an Grund-, Mittel- und Förderschulen um. Die Wirksamkeit wird nach Angaben des Gesundheitsministeriums durch epidemiologische Begleituntersuchungen dokumentiert und kontrolliert.

Gefördert werden unter anderem die Aktionen „Seelöwe“, „Seelöwe PLUS“, „Löwenzahn“, „Löwenzahn PLUS“ und die „Charly Zahnchallenge“. Die Staatsregierung bewertet den Einsatz der Landesarbeitsgemeinschaft als „äußerst wertvoll“ und nennt sie einen „langjährig bewährten und zuverlässigen Partner an der Seite der Staatsregierung“.

Das von den Abgeordneten abgefragte Programm „Kita mit Biss“ wird dagegen derzeit nicht in Bayern umgesetzt. Eine Bewertung sei deshalb nicht möglich. (loh)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

BR Player
Bayerischer Landtag
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.