Es kann eine schwierige Entscheidung sein: In welchem Hotel, auf welchem Campingplatz verbringt man seinen Urlaub? Wer viel reist, hat garantiert schon negative Erfahrungen gemacht. Vor allem mit lärmenden Kindern.
Insbesondere auf Campingplätzen ist das so, sagt Christiane Erdmann vom Campingplatz am Großen Wentowsee in Brandenburg. Den gibt es seit 2013. Mit einem von Anfang an besonderen Konzept: Nur Campinggäste ab 14 Jahren sind willkommen. Christiane Erdmanns Camperinnen und Camper, darunter nach ihren Angaben nicht wenige aus Bayern, erzählen ihr immer wieder von Getobe, Geschrei und Radau auf früheren Campingplätzen.
Urlauber erzählten Christiane Erdmann unter anderem von Kids, die nebenan Ball spielten. Immer wieder prallte der gegen das eigene Wohnmobil. Ziemlich nervig.
Eltern, so die Campingplatz-Chefin, ließen ihre Kinder oft gewähren. Werden sie höflich gebeten, die Kleinen doch zum Spielen woandershin zu schicken, werde mit Unverständnis reagiert. Gerade Menschen in Berufen, die mit Kindern zu tun haben, sind irgendwann entnervt. Sie wollen nicht auch noch im Urlaub Kinderlärm ertragen. Das weiß Christiane Erdmann deshalb, weil viele ihrer Gäste Erzieherinnen, Lehrer, Schuldirektoren oder Kinderärzte sind. Auffallend sei auch die starke Nachfrage von Gästen mit Krankheiten wie Long Covid: „Sie suchen Campingplätze wie unseren aus, um Ruhe zu finden.“
Konzept mit wachsender Nachfrage
Erdmann weiß von fünf weiteren kinderfreien Campingplätzen in Deutschland: „Vermutlich sind es mehr.“ Ihr eigener war laut eigener Aussage der erste.
Natürlich sollen sich Kinder in den Ferien spielerisch austoben können. Gern auch mal laut. Die Schweizerin Virginia Blatter bietet in Unterseen-Interlaken seit diesem Jahr deshalb zwei Campingplätze an. Zum einen den „Camping Lazy Rancho – Adults Only“, zum anderen den „Camping Lazy Rancho – Family & Adventure“. Vor allem der Adults-only-Bereich werde stark nachgefragt, regelmäßig auch von Gästen aus Bayern.
Allerdings gibt es auch Kritik: „In den vergangenen Monaten wurde wiederholt unzutreffend über unseren Campingplatz berichtet.“ Fälschlicherweise hieß es, Familien wären prinzipiell ausgeschlossen. Dabei gibt es für sie einen eigenen Platz. Schlagzeilen wie „Beliebter Campingplatz sorgt bei Urlaubern für Entsetzen“ verstimmen die Campingplatz-Managerin aus dem Schweizer Kanton Bern.
Wobei sie sich über mangelndes positives Feedback nicht beklagen kann: „Das Bedürfnis nach Entspannung und Rückzug hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, was sich in einer sehr guten Auslastung widerspiegelt.“
Die Kritik reißt nicht ab
Im Adults-only-Bereich werde nicht nur darauf geachtet, dass keine Kinder lärmen. „Wir legen großen Wert auf klare Platzregeln und gegenseitige Rücksichtnahme“, so Virginia Blatter. Dazu gehörten definierte Ruhezeiten sowie ein sensibler Umgang mit Lärmquellen wie Radios.
Sollte ein Gast im Hotel Reibener-Hof in Konzell im Bayerischen Wald keinen Schlaf finden können, liegt das auch hier garantiert nicht an Kinderlärm. Auf der Homepage steht: „Bei uns können Sie entspannen!“ Gäste sind in dem Vier-Sterne-Wellnesshotel erst ab 15 Jahren willkommen. Auskunft darüber, auf welchen Überlegungen das kinderfreie Konzept basiert und wie stark die Resonanz ist, gab es auf Anfrage der Staatszeitung nicht. Die Angst, als kinderfeindlich geframed zu werden, ist in der Adults-only-Szene groß. Mehrere Anfragen liefen ins Leere.
Dass Kinder der Schrecken von Urlaubern sein können, geht wiederum aus verschiedenen Internetforen hervor. „Ich mag es nicht, morgens um 6 von spielenden oder lärmenden Kindern geweckt zu werden“, sagt etwa ein Teilnehmer am Forum „Reisemobiltreff“. Wie die anderen das sähen? Die meisten Forumsteilnehmer stimmen zu. Vor allem erzählen sie davon, dass sich das Verhalten von Kindern und Eltern zum Negativen verändert habe. Ein Teilnehmer berichtet von Eltern, die, werden sie auf ihre ungezogenen Kinder angesprochen, diese keineswegs zur Räson rufen, sondern mit dem Anwalt drohen.
Zwischen Nachfrage und Debatte
Wer Eltern ohne Selbstzweifel an ihren Erziehungsmethoden umgehen will, findet eine Menge „Erwachsenenhotels“ in Deutschland. Laut dem oberfränkischen ITler René Weiß gibt es inzwischen über 1500 Angebote. Weiß hat 2008 damit begonnen, Adults-Only-Hotels als privates Projekt aufzulisten. Vor zwei Jahren beendete er seine Initiative. Wie er auf seiner Homepage schreibt, ist inzwischen zu viel Bewegung in die Szene gekommen. Aufgrund der Fülle sei es nicht mehr möglich, alle Angebote zu prüfen.
Die Kritik daran, dass Kinder immer öfter ausgegrenzt werden, reißt unterdessen nicht ab. Eine Adults-only-Campingplatz-Betreiberin erzählt davon, dass aus Protest ans Schild ihres Platzes gepinkelt worden war.
Übrigens nicht nur hierzulande. Wie negativ das Thema bewertet wird, erlebte zu Jahresbeginn auch die staatliche französische Bahn. „Schockierend: Frankreich führt kinderfreie Zugklasse wieder ein, Aufschrei im Netz“, titelte etwa das Portal euronews. Die Bahn führte im Januar im Hochgeschwindigkeitszug TGV eine neue Klasse für Reisende ab zwölf Jahren ein. Durch den Protest änderte die Bahn jedoch nur ihr Wording. Statt „Kinder sind nicht zugelassen“ heißt es nun, dass die Abteile „ab zwölf Jahren zugänglich“ seien. (Pat Christ)
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