Leben in Bayern

In Schullandheimen machen die Kinder viel intensivere Erfahrungen als im Unterricht. Doch viele Schullandheime stehen unter Druck. (Foto: dpa, Andreas Arnold)

17.07.2026

Höhere Kosten, weniger Einnahmen: Schullandheime in der Krise

Weniger Einnahmen und immer höhere Kosten: Trotz staatlicher Förderung stehen viele Häuser auch in Bayern unter großem finanziellem Druck

Auch Kinder aus einkommensschwachen Familien sind herzlich willkommen: Schullandheime sind für alle da. Das zeigt sich auch an der Preisgestaltung: Rund 150 Euro für drei Tage – viel mehr sollen Familien dafür nicht berappen müssen. Dass keine beliebig hohe Summe verlangt werden kann, erhöht jedoch den Kostendruck auf die Einrichtungen. Nach Einschätzung von Stephan Doerfler, Vorsitzender des Schullandheimwerks Oberfranken, ist die finanzielle Situation überall „angespannt“.

Während eines Schullandheimaufenthalts ergeben sich zwischen Schülerinnen und Schülern Situationen, die so im Schulalltag nicht möglich wären. Ist man doch mindestens drei Tage und Nächte zusammen. Dadurch erlebt man sich auf völlig andere Weise als im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof.

Die Kinder lernen sich ganz anders kennen

„Gemeinschaft erleben“ und „alltägliche Dinge gemeinsam tun“, darum geht es laut Stephan Doerfler im Schullandheim. Durch die Corona-Krise haben die Klassenfahrten ihm zufolge noch mal an Bedeutung gewonnen. Nach dem letzten Lockdown und der langen Zeit des Homeschoolings mussten sich die Schüler neu zusammenfinden. Mussten neu lernen, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Überhaupt sehen sich junge Leute dieser Tage schwierigen Problemen gegenüber, so der Regierungsschuldirektor. Nicht nur die Corona-Zeit hängt einigen immer noch nach. Die vielen gesellschaftlichen Krisen wirkten verunsichernd.

Schullandheime zielen mit ihren Bildungsprogrammen hierauf ab. In Oberfranken lernen die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel, respektvoll miteinander umzugehen. Oder sie gehen der Frage nach, wie sie in der von Medien dominierten Welt ihren eigenen Weg finden können.

Allerdings steht dafür immer weniger Zeit zur Verfügung. Früher waren einwöchige, ganz früher zweiwöchige Aufenthalte die Regel. Heute fährt man überwiegend nur noch für drei Tage weg. In den drei Heimen des Schullandheimwerks Oberfranken steigen allein dadurch die Kosten. Durch den schnellen Wechsel muss öfter gereinigt werden. Auch der organisatorische und personelle Aufwand ist erhöht.

„Im laufenden Betrieb kommen wir einigermaßen zurecht, Rücklagenbildung für Investitionen ist jedoch nur schwer möglich“, sagt Stephan Doerfler. Allein durch staatliche Fördermittel können die drei Häuser unterhalten und saniert werden. Bayernweit stehen nach Auskunft des Sozialministeriums heuer 1,7 Millionen Euro für Investitionen in insgesamt 27 bayerische Schullandheime zur Verfügung. Das sind 200.000 Euro mehr als im vergangenen Jahr. In den oberfränkischen Heimen wird auf gesunde Kost Wert gelegt, was, neben teurer Energie, ebenfalls zu Buche schlägt.

Und das ist nicht nur in Oberfranken so. Hohe Preise für Energie und Lebensmittel stellen für Markus Seibel genauso eine Herausforderung dar. Markus Seibel ist Geschäftsführer der Schullandheim Hobbach-Bauersberg gGmbH. Die trägt ein großes Schullandheim im Landkreis Aschaffenburg sowie ein kleineres Haus in Bauersberg in der Rhön. Auch in diese Häuser fahren die Klassen meist nur noch für drei Tage. Insgesamt sinken die Zahlen. In Hobbach hatte man zu Hochzeiten fast 20.000 Übernachtungen im Jahr. 2025 war es nur noch 16.000.

Hohe Eigenanteile bei Sanierungen

Die zur Verfügung stehenden Landesmittel für Investitionen sind Markus Seibel zufolge sehr hilfreich. Dadurch konnte in Hobbach just eine Sanierungsmaßnahme in Höhe von 2 Millionen Euro realisiert werden. Unter anderem wurden Nasszellen in Zimmer eingebaut. Rund 70 Prozent der Kosten flossen vom Freistaat und vom Landkreis. 300.000 Euro mussten selbst aufgebracht werden. „Die Eigenanteile zu stemmen, ist schwieriger geworden.“

Auch in Hobbach und Bauersberg wird darauf geachtet, dass die Preise für die Schülerinnen und Schüler erschwinglich bleiben. Problematisch seien hohe Kosten für den Bustransport zum Schullandheim. Reisekostenzuschüsse wären wünschenswert. Laut Seibel kann ein Schullandheim eine analoge Oase in einer Welt des digitalen Overkills sein. Wobei es Sache der jeweiligen Lehrer ist, ob während voller drei oder sogar fünf Tage komplett auf das Handy verzichtet wird. Oder nicht.

Wie überhaupt viel von den Pädagoginnen und Pädagogen abhängt. „Lehrkräfte fahren heute nicht mehr so einfach weg“, sagt der Geschäftsführer der Heime in Hobbach und Bauersberg. Was daran liegt, dass es schwieriger geworden ist, sich in dieser Zeit in der Schule vertreten zu lassen.

Aber auch besorgte Eltern verhindern mancherorts Klassenfahrten. Die Eltern befürchteten, dass während der drei oder fünf Tage zu viel Unterrichtsstoff versäumt wird. Und wird es das Kind schaffen, nur mit dem Plüschtier als Trost, ganz alleine wegzufahren? Auch diese elterliche Angst schwingt sehr oft mit.

In der Realschule im oberpfälzischen Auerbach lässt man sich davon nicht abhalten. „Wir fahren jedes Jahr mit den fünften Klassen für drei Tage ins Schullandheim“, sagt Schulleiterin Schwester Ancilla Pitroff. Rund 150 Euro kostet das die Eltern. Wer Wohngeld erhält, dem zahle der Staat auch das Schullandheim. Ist es darüber hinaus knapp, springt der Elternbeirat ein. Ein bis zwei Schüler pro Jahrgang werden hierüber finanziell unterstützt.

Dass alle Schüler unabhängig von den wirtschaftlichen Realitäten ihrer Familien an der Klassenfahrt teilnehmen können, ist für Pitroff wichtig. Während der drei Tage lernen sich nicht nur die Kinder untereinander besser kennen, sagt sie. Auch Lehrkräfte nehmen die Persönlichkeit der Kinder noch mal ganz anders wahr. Schüler zeigten zum Beispiel Fähigkeiten, die im Unterricht bisher noch nicht zum Vorschein gekommen sind. Oder sie erzählen von Hobbys, von denen bis dato kein Mensch wusste.

Zusammen essen? Nicht mehr selbstverständlich

Schullandheime sind für Pitroff daneben Orte, wo kompensiert werden kann, was in Familien nicht mehr stattfindet. Auch darum ist es ihr so wichtig, dass alle Fünftklässler auf Klassenfahrt gehen. So seien es nicht mehr alle Kinder gewohnt, sich zu den Mahlzeiten gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Und durch das gemeinsame Tischgebet werde erfahrbar, wie Glaube im Alltag gelebt werden kann, sagt die Ordensfrau. (Pat Christ)
 

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