Leben in Bayern

Das Kinderpalliativzentrum des LMU Klinikums München begleitet schwerstkranke Kinder und ihre Familien in Krisen – mit dem Ziel, sie wieder nach Hause zu entlassen. (Foto: dpa/Stephan Rumpf)

22.06.2026

Kinderpalliativzentrum München: Hilfe in schwersten Krisen

Das Kinderpalliativzentrum des LMU Klinikums begleitet schwerstkranke Kinder und ihre Familien in Krisen. Zum zehnjährigen Bestehen zeigt sich: Die Station soll nicht Abschied bedeuten, sondern Entlastung und ein "Zuhause auf Zeit" bieten

Wenn Kinder und Jugendliche unheilbar krank sind, geraten Familien oft an ihre Grenzen. Das Kinderpalliativzentrum des LMU Klinikums München begleitet sie in besonders schweren Krisen – medizinisch, pflegerisch und psychologisch.

Als Sterbestation versteht sich die Einrichtung ausdrücklich nicht. "Die allermeisten Kinder gehen auch wieder nach Hause", sagt die Leiterin Monika Führer. Ziel sei es, Beschwerden zu lindern, Familien zu entlasten und den Kindern nach einer Stabilisierung die Rückkehr in ihr gewohntes Umfeld zu ermöglichen.

Zehn Jahre Kinderpalliativzentrum

Das Zentrum feiert an diesem Montag sein zehnjähriges Bestehen. Es zählt zu nur vier Einrichtungen dieser Art in Deutschland und verfügt über acht Einzelzimmer.

In Bayern unterstützen zudem sieben spezialisierte ambulante Teams Familien zu Hause – ein achtes soll hinzukommen. Sie helfen unter anderem bei Schmerzen, Atemnot oder Epilepsie und beraten auch zu pflegerischen, psychologischen und sozialrechtlichen Fragen.

Wenn die Versorgung zu Hause nicht mehr reicht

Manchmal reichen die Möglichkeiten der ambulanten Betreuung nicht aus. Dann finden Kinder und ihre Familien im Zentrum ein Umfeld, das komplexe medizinische Versorgung mit Geborgenheit verbinden soll.

Führer beschreibt die Station als "Zuhause auf Zeit". Anders als auf einer Intensivstation gehe es darum, die Bedürfnisse des Kindes und der gesamten Familie in den Mittelpunkt zu stellen.

Mehr als 3.000 betroffene Kinder in Bayern

Rund 500 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sterben nach Schätzungen jedes Jahr in Bayern. Führer geht davon aus, dass im Freistaat mehr als 3.000 Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen leben.

Viele von ihnen haben angeborene Erkrankungen, etwa Chromosomen- oder Stoffwechselstörungen, schwere Muskelerkrankungen oder Organfehlbildungen. Kinder mit Krebs machen weniger als zehn Prozent der Kinderpalliativversorgung aus, weil viele Erkrankungen inzwischen heilbar sind.

Trauer beginnt oft lange vor dem Abschied

Die Erkrankung belastet nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern und Geschwister. Überforderung, Schlafmangel, finanzielle Sorgen und die Sorge um das kranke Kind prägen den Alltag vieler Familien.

"Die Trauer fängt ja immer schon viel früher an", sagt Führer. Auch für die Mitarbeitenden seien Supervision und Gespräche im Team wichtig. Das Sterben von Kindern sei weiterhin eines der großen gesellschaftlichen Tabus. (dpa)

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