Leben in Bayern

Welpen aus dem illegalen Handel: Viele der viel zu jungen Tiere werden über das Internet verkauft, illegal nach Deutschland gebracht und landen nach der Sicherstellung in bayerischen Tierheimen. (Foto: dpa/Paul Zinken)

15.12.2025

Tierschutzbund warnt: Illegaler Welpenhandel boomt im Advent

Über 250 Hunde strandeten 2024 nach ihrer Sicherstellung in bayerischen Tierheimen. Meist werden sie viel zu jung im Internet verkauft und illegal ins Land gebracht. 42 Prozent der deutschlandweiten Fälle werden in Bayern gemeldet

Über 250 Hunde strandeten 2024 nach ihrer Sicherstellung in bayerischen Tierheimen. Meist werden sie viel zu jung im Internet verkauft und illegal ins Land gebracht. Das System und seine Folgen.

Während in etlichen Familien im Freistaat die Vorfreude auf das Christkind täglich wächst, versetzt das Weihnachtsfest den Deutschen Tierschutzbund und dessen bayerischen Landesverband in Alarmbereitschaft. Denn gerade Tiere, die Eltern ihren Kindern zu Weihnachten schenken, landen laut dem Dachverein später besonders häufig in Tierheimen. Auch für kriminelle Machenschaften sei Weihnachten ein guter Nährboden.

„Im Advent boomt der illegale Heimtierhandel regelrecht“, sagt Ilona Wojahn, Präsidentin des bayerischen Landesverbands. Viele Familien kauften in der Vorweihnachtszeit einen sehr jungen Hund im Internet und seien sich nicht bewusst, damit den illegalen Welpenhandel zu unterstützen.

Mindesteinreisealter: 15 Wochen innerhalb der EU

Legal dürften Welpen auch aus dem europäischen Ausland erst ab einem Alter von 15 Wochen einreisen, da sie frühestens im Alter von zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft werden können und der Schutz erst greifen müsse. „Tiere, die aus einem Land außerhalb der EU einreisen, müssen sogar mindestens sieben Monate alt sein“, sagt Wojahn.

„Die Tiere aus dem illegalen Welpenhandel stammen aus Hinterhof-Zuchtfabriken und sind aufgrund ihrer Lebensumstände sehr anfällig. Sie werden für den Transport fitgespritzt und landen dann in Deutschland“, sagt Wojahn. Dort aber oft nicht bei ihren gutgläubigen Besitzern, sondern in Quarantäne im Tierheim. Denn wenn die Polizei feststellt, dass Tiere unerlaubt ins Land gebracht werden, bringe sie die Tiere dorthin.

42 Prozent der deutschlandweiten Fälle in Bayern gemeldet

Belastbare Zahlen über in Bayern sichergestellte Hunde aus dem illegalen Welpenhandel in den vergangenen Jahren kann auf Anfrage weder das bayerische Innenministerium noch das Landeskriminalamt liefern. Einen Einblick geben aber die Zahlen des Tierschutzbundes. „Die 112 Tierheime, die zum bayerischen Tierschutzbund gehören, haben im vergangenen Jahr 94 Fälle von illegalem Heimtierhandel gemeldet. Das sind 42 Prozent der Fälle, die 2024 in ganz Deutschland gemeldet worden sind“, sagt Wojahn.

Im Rahmen der gemeldeten Fälle seien im Vorjahr 328 Tiere aufgefangen worden – darunter über 250 Hunde. Im Jahr 2023 seien es bei hundert Fällen 299 Hunde gewesen. „Der Großteil der Tiere kommt aus Osteuropa. Spitzenreiter bei den Herkunftsländern sind Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Ungarn“, sagt Wojahn. Besonders häufig betroffen seien Moderassen wie Zwergspitze, Maltester oder französische Bulldoggen, da sie im Internet billiger zu haben seien als beim seriösen Züchter.

Verhaltensauffälligkeiten eine mögliche Folge

Die Folgen, die sich für die Hunde aus dem illegalen Handel ergäben, können laut Wojahn enorm sein. Durch die zu frühe Trennung vom Muttertier könne es zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. „Tiere, die abgefangen werden und in Quarantäne landen, verbringen Teile ihrer Prägezeit nicht mit Artgenossen. Sie sind oft nicht sozialisiert“, berichtet sie.

Selbst die Hunde, die nicht von der Polizei gestoppt werden, würden aus den gleichen Gründen häufig in Tierheimen landen. Wojahn fordert deshalb, den Internethandel mit Tieren zu verbieten, und unterstützt gleichzeitig die Forderung des Dachvereins, Tiere nicht zu Weihnachten zu verschenken: „Sie sind keine Dinge.“ (dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.