Politik

Auf den letzten Metern verlor CDU-Mann Manuel Hagel gegen den Grünen Cem Özdemir (Grüne). (Foto: dpa, Bernd Weißbrod)

09.03.2026

Baden-Württemberg-Wahl: Grüne und ÖRR als Sündenbock

Die CDU hat die Wahl in Baden-Württemberg versemmelt und zeigt sich jetzt auch noch als schlechter Verlierer. Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Die CDU hat die Wahl in Baden-Württemberg versemmelt und zeigt sich jetzt auch noch als schlechter Verlierer. Die Grünen seien schuld wegen einer „Schmutzkampagne“ gegen den Kandidaten Manuel Hagel. Mit Verlaub: Da machen sich’s CDU plus Hagel schon ein bisserl leicht. Die verlorene Wahl haben sie sich selbst zuzuschreiben.

Klar war es peinlich für den CDU-Spitzenkandidaten, dass ein altes Video aufgetaucht ist, auf dem er altherrenhaft von „rehbraunen“ Augen einer Schülerin schwärmt. Und davon, dass es „für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine“ gebe als Gast zu sein in einer überwiegend aus Mädchen bestehenden Schulklasse. Doch die Eignung von Spitzenpolitikern zeigt sich eben auch darin, wie sie mit kritischen Situationen umgehen. Im Fall von Hagel fiel die Reaktion tapsig aus. Seine Frau habe ihm „den Kopf gewaschen“ – nun ja, konservative Wähler, die den Wokeismus eh überhaben, finden derlei Aussagen überwiegend eher suboptimal. Dass Hagel im Beisein eines TV-Teams den Nerv hatte, in einer Schule den Treibhauseffekt zu erklären, obwohl er sich offenbar nicht auskannte, ist ebenfalls mehr als ungeschickt. Genauso wie die Tatsache, dass er danach auch noch vor laufender Kamera der Lehrerin über den Mund fuhr.

Man fragt sich im Fall Hagel: Wie reagiert der Mann, wenn er eine echte Krise meistern muss?

Da fragt man sich: Wie reagiert der Mann, wenn er eine echte Krise meistern muss? Dass die CDU hier Kritik am öffentlich-rechtlichen Fernsehen übt, weil es die für Hagel unvorteilhafte Szene ausstrahlte, ist daneben. Ja, die Öffentlich-Rechtlichen sind oft alles andere als ausgewogen. Aber als Politprofi muss man wissen, wie Medien arbeiten und dass natürlich die krassesten Szenen verbreitet werden.

Als Hubert Aiwanger im Vorfeld der bayerischen Landtagswahl 2023 wegen eines antisemitischen Flugblattes im Feuer stand, reagierte er mit eisernen Nerven und rotzfrech. Das kann man missbilligen. Aber bei ländlichen Konservativen konnte er damit punkten. Dort werden klare Worte geschätzt und Leute, die mit Krisen souverän umgehen.

Hagel ist genauso profillos wie die  CDU als Ganzes

Beim Thema deutliche Ansage zeigte sich indes nicht nur Hagel schwach, sondern die gesamte CDU. Beim Bundesparteitag, der vor wenigen Wochen in Baden-Württemberg stattfand, präsentierte sich die Partei super weichgespült. Motto: bloß niemanden verschrecken. Genau das ist es, was den Konservativen zum Hals heraushängt. Auch deshalb ist ja das Ansehen von Kanzler Merz eingebrochen. Vor der Wahl ist er als Tiger gesprungen, um dann als Bettvorleger zu landen.

Die Union hat die Wahl in Baden-Württemberg nicht wegen böser Grüner und des bösen öffentlich-rechten Rundfunks vergeigt. Sondern wegen eines schwachen Kandidaten und ihres insgesamt schwachen Profils. 
 

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