Politik

Auch in Bayern findet man oft keine öffentliche Toilette. Weil es nicht genug gibt, aber auch, weil die Beschilderung häufig verwirrend ist. (Foto: dpa, Sebastian Willnow)

26.05.2026

Die Toiletten-Misere: Wo bitte geht's zum nächsten Klo?

In Bayern muss man oft lange Wege zurücklegen, um eine öffentliche Toilette zu finden. Auch wenn die Versammlungsstättenverordnung bald geändert werden sollte, gibt es noch viel Handlungsbedarf

Die Freude war Julia Post nach der Entscheidung des Bauausschusses des Landtags am vergangenen Dienstag anzusehen: „In Zukunft gibt es gleich viele Toiletten für Männer und Frauen“, erklärte die Grünen-Abgeordnete erfreut. Einstimmig hatte der Ausschuss sich zuvor für eine Geschlechterparität bei der vorgeschriebenen Anzahl von Toiletten bei Großveranstaltungen ausgesprochen – ein Antrag der Grünen.

Derzeit müssen Versammlungsstätten wie Theater, Konzerthallen oder Sportstadien beispielsweise bei 1000 Besucherinnen und Besucher zwölf Toiletten für Frauen vorhalten, aber 20 für Männer – zwölf davon als Pissoirs. Es ist der Hauptgrund, weshalb sich vor den Damentoiletten immer Schlangen bilden, während die Männer in der Regel gleich durchmarschieren. „Es ist wirklich ein Problem. Zeit, dass es geändert wird“, findet auch der CSU-Abgeordnete Josef Schmid.

Wie sich in der Ausschusssitzung herausstellte, wird bereits auf Bundesebene an einer Lösung gearbeitet. Eine Projektgruppe mit bayerischer Beteiligung hat eine neue Musterversammlungsstättenverordnung erarbeitet. Damit soll der Missstand bundesweit behoben werden, auch Unisex-Toiletten – Toiletten, bei denen das Geschlecht keine Rolle spielt – sollen dann möglich werden. Allerdings sind nur Umbauten und Neubauten betroffen.

Abgestimmt wird die Verordnung dann auf Ebene der Bauministerkonferenz. Der Ausschuss beschloss, die Staatsregierung aufzufordern, sich weiter auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass eine paritätische Regelung eingeführt „und diese Parität in jedem Fall in Bayern umgesetzt wird“. Das Bauministerium teilt dazu auf Anfrage mit: „Wenn die geänderte Musterverordnung beschlossen und veröffentlicht ist, werden wir eine Umsetzung in Landesrecht prüfen.“

Für Veranstaltungen mit sogenannten fliegenden Bauten – etwa Volksfeste – gilt die Verordnung nicht. Dort werden die langen Schlangen vor Frauentoiletten weiter zum gewohnten Bild gehören. Doch nicht nur bei Veranstaltungen gibt es Probleme, eine Toilette zu finden. „Besonders an Bahnhöfen, in Innenstädten, Parks, Spielplätzen und entlang des ÖPNV gibt es großen Nachholbedarf“, moniert die Grünen-Abgeordnete Post.

Klo-Mangel allerorten

Touristinnen und Touristen, ältere Menschen, Schwangere, Familien mit Kindern und Menschen mit Behinderungen seien auf auffindbare, zugängliche und funktionierende Toiletten angewiesen.

Wie viele öffentliche Toiletten es in Bayern gibt, ist unklar. Bayerns Bauministerium führt keine Statistik und verweist auf die Kommunen und die Deutsche Bahn, die die meisten Klos betreiben. Klar ist: Es ist Luft nach oben. Eine Anfrage der Linken im Bundestag ergab etwa, dass es nur an 133 von 924 von der Bahn-Tochter DB Infrago betriebenen Bahnhöfen in Bayern eine Toilette gibt. Und auch in den Kommunen fehlt es an Klos, trotz Bemühungen. Nicht immer lassen sich die Pläne nämlich auch umsetzen. Der Augsburger Stadtrat hat längst ein Konzept für weitere Anlagen verabschiedet, doch noch wurde in Bayerns drittgrößter Stadt kein Neubau umgesetzt. Bisher betreibt das Liegenschaftsamt 11 Toiletten im Stadtgebiet.

In Nürnberg, der zweitgrößten Sadt Bayerns, gibt es aktuell 47 feste öffentliche Toilettenanlagen sowie einen zusätzlichen Urinalstandort. Auch hier plant man erstmal keine neuen Toiletten, "Aufgrund der angespannten Haushaltslage steht aktuell der Erhalt des Bestands im Vordergrund", teilt ein Sprecher mit.

In München gibt es derzeit etwa 166 öffentliche Toiletten. Der damalige Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte das Thema vor einigen Jahren zur Chefsache erklärt. Tatsächlich wurden bislang 24 neue Anlagen gebaut, etwa in Parks, 15 weitere sind laut Baureferat geplant. Doch gerade in der Innenstadt herrscht noch Bedarf.

Diana Hipp ist Stadtführerin. Eine ihrer beliebtesten Führungen trägt den Titel „Shit happens – wohin wenn es pressiert?“. Sie beschäftigt sich mit der Münchner Toilettengeschichte und den aktuellen Toiletten der Stadt. Sie hat viel zu erzählen. Ein Beispiel: Am Sonntag fand die Meisterfeier des FC Bayern München auf dem Marienplatz statt. Damit verbunden waren weiträumige Sperrungen. Das betraf auch die öffentlichen Toiletten am Viktualienmarkt, erklärt Hipp. Dabei ist die Zahl der Toiletten in der Münchner Innenstadt ohnehin gering. Mobile Toiletten für die Fans habe sie keine gesehen, wundert sich die Stadtführerin. „Die haben doch alle was getrunken.“

Die Stadt München bemühe sich, im äußeren Bereich und an der Isar habe es auch Verbesserungen gegeben, sagt Hipp. Aber in der Innenstadt sei es weiter schwierig. Die gut frequentierte Toilette im Untergeschoss am Isartor – zuständig ist die Bahn – sei seit einem Jahr geschlossen. „Die Beschilderung ist auch oft absurd“, findet Hipp. Mal stehe auf den Schildern „00“, mal WC, mal seien es Symbole – nicht jeder finde sich da zurecht. Dazu seien viele Richtungshinweise verwirrend. „Was auch oft nicht bedacht wird: Wenn Leute einen Kinderwagen haben oder einen Rollator – dann kommen sie gar nicht rein.“

"Ein ganz wichtiger Punkt gesellschaftlicher Teilhabe"

Toiletten seien „ein ganz wichtiger Punkt gesellschaftlicher Teilhabe“, findet Josefine Hille. „Und da haben wir im öffentlichen Raum einen akuten Nachholbedarf.“ Vor allem für Menschen mit Behinderung. Hille betreut bei der Münchner Stiftung Leben pur das Projekt „Toilette für alle“, finanziert vom bayerischen Sozialministerium. Zielgruppe sind Menschen mit schweren und komplexen Behinderungen. Eine Toilette für alle etwa muss zwischen 10 und 12 Quadratmeter groß sein, eine Liege beinhalten und einen Personenlift, mit dem die Menschen von Betreuern vom Rollstuhl auf die Liege gehoben werden können. So könne man die Windeln wechseln, die viele Menschen mit komplexer Behinderung tragen müssen, erklärt Hille.

208 dieser Toiletten gibt es inzwischen in Deutschland, 54 allein in Bayern, fast die Hälfte davon in der Landeshauptstadt. „Viele Menschen mit komplexer Behinderung machen deswegen gerne Urlaub in München“, sagt Hille. Ohne diese Infrastruktur könnten sie nicht rausgehen. Das Thema Barrierefreiheit könne man nicht als Randphänomen abtun, erklärt Hille. Die Gesellschaft werde im Schnitt immer älter, auch der Anteil der Menschen mit komplexer Behinderung steigt kontinuierlich. (Thorsten Stark)

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