Politik

Wohnungen braucht das Land. Der Bauturbo soll helfen. (Foto: dpa/SZ Photo, Wolfgang Filser)

02.10.2026

Ein Booster fürs Wohnen: Bauturbo wirkt in Bayerns Städten

Damit mehr Wohnraum entsteht, hat die schwarz-rote Bundesregierung 2025 den sogenannten Bauturbo beschlossen. Er soll den Wohnungsbau beschleunigen, indem er Ausnahmen vom bestehenden Planungsrecht ohne langwierige Bebauungsplanänderungen ermöglicht. Nach fast einem Jahr zeigt sich: Der Booster wirkt. In den meisten bayerischen Großstädten entsteht so neuer Wohnraum

Es ist eine immense Herausforderung: Rund eine halbe Million Menschen sind bundesweit wohnungslos. Immer mehr Leute geben den Großteil ihres Einkommens für die Miete aus, auch in Bayern. Damit mehr Wohnraum entsteht, hat die schwarz-rote Bundesregierung 2025 den sogenannten Bauturbo beschlossen. Er soll den Wohnungsbau beschleunigen, indem er Ausnahmen vom bestehenden Planungsrecht ohne langwierige Bebauungsplanänderungen ermöglicht. Seit fast einem Jahr gelten nun bereits die vereinfachten Regelungen. Doch was bringt die Reform in der Praxis?

Münchens OB voll des Lobes

Zumindest die Großstädte im Freistaat ziehen zumeist eine positive Bilanz. In Fürth hat der Bauturbo laut Stadtbaurätin Christine Lippert (SPD) Bauvorhaben beschleunigt: „Es konnten so zusätzliche Wohneinheiten gewonnen werden, die ohne diese Gesetzesänderung so in der Kürze der Zeit nicht hätten genehmigt werden können.“ Anders als vor der Reform mitunter befürchtet, habe auch der Naturschutz vor Ort unter den beschleunigten Projekten nicht gelitten, so Lippert.

Nürnbergs Baubürgermeister Nasser Ahmed (SPD) betont ebenfalls, die Stadt habe positive Erfahrungen gemacht. So etwa bei einem Bauprojekt am Gensfelderweg. Dort sollen bestehende Wohngebäude aufgestockt werden und so rund 60 zusätzliche Wohnungen entstehen – ohne neue Flächen zu versiegeln. „Gerade bei Aufstockungen, Nachverdichtungen oder künftig auch bei der Umwandlung von Büroflächen in Wohnungen eröffnet uns der Bauturbo Möglichkeiten, die vorher häufig ein langwieriges Bebauungsplanverfahren erfordert hätten“, erläutert Ahmed. Für ihn ist klar: „Der Bau-turbo kann zusätzliche Wohnungen ermöglichen.“ Wie viele Wohnungen am Ende allein durch dieses Instrument zusätzlich gebaut werden, lasse sich derzeit allerdings noch nicht beziffern.

Voll des Lobes ist auch Münchens OB Dominik Krause (Grüne): „Die neuen Regelungen bringen mehr Tempo.“ Der Bauturbo ermögliche es, durch flexiblere Abweichungen vom bestehenden Baurecht den Wohnungsbau zu beschleunigen oder erst zu ermöglichen. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres gaben die städtischen Behörden nach Angaben der Stadt für rund 2100 Wohnungen die Zustimmung zur Anwendung des Bauturbos.

Mehr Wohnungen in Ausgburg

Auch in Augsburg wirkt der Boost nach Angaben der Stadt. Auf Grundlage der abgespeckten Regelungen wurden in diesem Jahr allein bis September rund 600 neue Wohnungen geschaffen – im gesamten Jahr 2025 waren es dagegen nur 563. In Ingolstadt wird sich der Stadtrat einem Sprecher zufolge erst in den kommenden Sitzungen mit den ersten Bauturbo-Fällen befassen.

In Erlangen ist es laut Baureferat noch zu früh, eine Bilanz zu ziehen. Der Stadtrat hat erst im Juni die Anwendung des Bauturbos beschlossen. In Regensburg wird dieser seit Ende Februar angewandt. Ein Sprecher geht davon aus, dass der Bauturbo letztlich neuen Wohnraum schaffen wird.

Doch nicht überall fällt die Bilanz nur gut aus. In Würzburg werden laut Stadt „viele Baugenehmigungen nicht in Anspruch genommen“. Schuld sind enorme Baukosten und die schwierige Finanzierung. Und ein Sprecher des Landkreises Berchtesgaden sagt: „Der Bauturbo hat in der Praxis seine Wirkung noch nicht in allen gewünschten Bereichen entfaltet, etwa wenn es speziell um bezahlbaren Wohnraum geht.“ In Berchtesgaden entstehen mittels Bauturbo statt Mietwohnungen vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser. Er beschleunigt dort, so lautet Kritik, zudem den Verlust von Grünflächen.

Klar ist: Der Bauturbo reicht nicht, um die Wohnungsnot zu besiegen. Nötig ist, endlich mehr Sozialwohnungen zu bauen. (Tobias Lill)
 

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