Politik

Kommt der Krebs zurück? Für Arbeitgeber und Versicherungen eine oftmals relevante Frage. (Foto: dpa(Chromorange, Michael, Bihlmayer)

28.08.2026

Eine Petition gegen lebenslanges Stigma

Verbeamtung oder Lebensversicherung nach überstandener Tumorerkrankung? Das kann schwierig werden

Eine Krebserkrankung zu überstehen und nach Jahren des Bangens als geheilt zu gelten, bedeutet grenzenlose Erleichterung. In der Onkologie gelten fünf rückfallfreie Jahre nach der Therapie als wichtiger Richtwert: Statistisch gilt man dann zumeist als geheilt.

Trotzdem bedeutet eine frühere Krebserkrankung ein oft lebenslanges Stigma. Denn wer eine Lebensversicherung, Berufsunfähigkeits- oder private Krankenversicherung abschließen will oder verbeamtet werden möchte, muss umfangreiche Gesundheitsfragen beantworten – auch zu Krebserkrankungen, die lange zurückreichen. Oft bedeutet eine frühere Krebsdiagnose: Die Versicherung kann nicht abgeschlossen werden, die Verbeamtung nicht erfolgen. Vor allem für junge Betroffene ist das eine erhebliche Belastung.

Viele EU-Staaten haben hierzu bereits Gesetze, warum Deutschland nicht?


Die Initiatoren der Petition „Recht auf Vergessen“ – Eltern eines Kindes mit überstandenem Krebs – wollen das ändern. Sie richtet sich an Bundestag und Bundesregierung und fordert: Eine frühere Krebserkrankung soll bei Versicherungen, Kreditinstituten, bei Verbeamtung oder Adoptionswunsch fünf Jahre nach Ende der Behandlung ohne Rückfall „nicht mehr abgefragt oder gegen Betroffene verwendet werden dürfen.“

Tatsächlich gibt es in etlichen EU-Ländern bereits Regelungen dazu. Frankreich, Italien und zehn weitere Staaten haben Gesetze zum Recht auf Vergessen beschlossen.
Aktuell haben knapp 58 000 Menschen die Petition unterzeichnet. Eine Petition kann Aufmerksamkeit erzeugen, konkrete Folgen erzwingen kann sie nicht. In Bayern hat jetzt die CSU-Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer für das Anliegen der Petition geworben. Deutschland müsse hier aktiv werden, fordert sie. „Wer medizinisch als geheilt gilt, darf nicht mehr unter Benachteiligungen leiden, diese Ungerechtigkeit muss enden.“
(Waltraud Taschner)
 

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