Politik

Gratis-Kita für alle? Das war gestern. Die Kommunen müssen sparen. (Foto: dpa/JOKER, Ralf Gerard)

22.05.2026

Gratis-Kita? Ist passé - Klamme Kommunen sparen jetzt da, wo’s wehtut

In einer Vielzahl an bayerischen Kommunen stiegen die Kita-Gebühren zuletzt spürbar - das ergaben BSZ-Anfragen. Andere wollen erhöhen - besonders stark sollen die Beiträge in München angehoben werden. Über die Frage, wer dafür die Verantwortung trägt, wird teils heftig gestritten

Es war eines der großen Versprechen der Münchner SPD: Auf ihren Druck hin schaffte die damalige rot-schwarze Rathauskoalition 2019 die Gebühren für fast alle Kindergärten ab und senkte sie für Krippenplätze massiv. Doch sieben Jahre später will die neue grün-rote Koalition Familien wegen Geldnot wieder stärker belasten. „München muss massiv sparen“, rechtfertigt der neue OB Dominik Krause (Grüne) die Einschnitte. Ab September 2027 sollen die Gebühren für einen Krippenganztagsplatz um mehr als ein Drittel auf 290 Euro steigen. Und auch in den beiden Folgejahren sollen sie erhöht werden. Der kostenlose Kindergarten für alle soll abgeschafft werden. Die Stadt rechnet ab 2028 mit Mehreinnahmen von über 50 Millionen Euro pro Kita-Jahr.

Auch andere Kommunen drehten zuletzt an der Gebührenschraube, wie eine BSZ-Umfrage unter bayerischen Städten ergab. Die meisten der angefragten Kommunen erhöhten ihre Kita-Beiträge in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal, die Mehrzahl sogar kräftig. Eine der wenigen Ausnahmen ist Regensburg. Auch aktuell gebe es keine Erhöhungspläne, sagt eine Sprecherin.

Eine Sprecherin der Stadt Nürnberg teilt dagegen mit: „Die Kitas erhöhten seit 2023 regelmäßig die Betreuungsentgelte, um die steigenden Kosten, die nicht durch die staatliche und kommunale Regelförderung gedeckt werden, zu refinanzieren.“ So wurde die Gebühr für einen Krippenplatz für 25 bis 30 Stunden pro Woche im September vergangenen Jahres um 6,5 Prozent auf 357 Euro monatlich erhöht.

Plus 3 Prozent in Augsburg

In Augsburg stiegen die Kita-Beiträge seit Ende 2023 jährlich im Schnitt um gut 3 Prozent – und damit stärker als die Inflation. Die Stadt verweist darauf, dass die Tarifsteigerung für das Personal zuletzt bei 10 Prozent gelegen habe.

Selbst das wirtschaftlich relativ gut situierte Fürth musste die Gebühren für einen großen Teil seiner Kita-Angebote im September 2024 aufgrund hoher Personalkosten um mehr als 10 Prozent erhöhen. 

Immerhin: Mehrere Großstädte wie München erlassen weniger gut betuchten Eltern Teile oder sogar sämtliche Kita-Beiträge. Bürgergeldempfänger müssen ohnehin nichts überweisen. In Nürnberg zahlt die Hälfte der Eltern „keine oder nur anteilig Betreuungskosten“.

Bereits heute zählen Kinder zu den größten Armutsrisiken. Teile der Mittelschicht dürften die jüngsten Erhöhungen angesichts explodierender Miet- und Energiekosten durchaus spüren. Politisch kommen die Kostensteigerungen  ohnehin zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Die Geburtenzahl in Deutschland sank 2025 auf den niedrigsten Stand seit 1946. Und viele Menschen beschleicht zunehmend das Gefühl, der Staat kümmere sich um vieles - nur nicht seien eigenen Bürger.

35 Prozent mehr an Personalkosten

Die Kommunen haben jedoch gute Gründe für die Erhöhungen. „Allein bei pädagogischen Fach- und Ergänzungskräften betrug die Steigerung der Personalkosten in den letzten zehn Jahren circa 35 Prozent“, sagt Tobias Thiem, Leiter des Amtes für Kindertagesbetreuung und Ganztagsschule der Stadt Fürth. Die Kita-Finanzierung sei „seit Jahren völlig unterfinanziert“, heißt es auch beim Städtetag. Die tatsächlichen Betreuungskosten für einen Kita-Ganztagsplatz lagen in Augsburg 2024 bei rund 1300 Euro pro Monat. Eltern zahlten jedoch nur 231,50 Euro, inklusive Essensgeld. 100 Euro erstattet bislang der Freistaat als Zuschuss. Letzterer fällt ab 2027 weg.

Mit dessen Auslaufen begründete OB Krause die Streichung der kostenlosen Kindergartenbetreuung. Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) sprach daraufhin von „Fake News“. Der Freistaat verteile im Rahmen einer Reform lediglich Mittel um. Die Zuschüsse würden künftig eingesetzt, um die Betriebskosten der Kindergärten zu mindern. Doch ist das tatsächlich so? Auch aus Fürth heißt es, in der Summe könnte weniger Geld bei den Kommunen verbleiben, da durch den Wegfall des Beitragszuschusses die Ausgaben für die wirtschaftliche Jugendhilfe entlang der Gebührenübernahme deutlich steigen werden.

Scharfe Kritik an der Staatsregierung kommt von der Linken: „Ministerpräsident Markus Söder nennt unser reiches Bayern gern Familienland – aber wenn Kinderstartgeld, Krippengeld und Beitragsentlastung kassiert werden, wird der Freistaat für die Familien zum Gebührenland", sagt die Bundestagsabgeordnete Evelyn Schötz.

Klar ist:  Lange konnten viele Städte die Kita-Gebühren durch Quersubventionen stabil halten. Doch angesichts wegbrechender Steuereinnahmen fehlt dafür das Geld. Für viele der befragten Kommunen ist deshalb klar: Die Kita-Gebühren werden auch künftig deutlich steigen.
(Tobias Lill)

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