Politik

Die Sommer hierzulande werden immer wärmer. Viele Menschen wünschen sich Klimaanlagen. (Foto: dpa/Zoonar, Marchenko /Envato)

05.06.2026

Lechzen nach Kälte: Warum Klimaanlagen hierzulande Luxus sind

Anders als in vielen südlicheren Ländern sind Klimaanlagen sind hierzulande Luxus – warum?

Die erste Hitzewelle des Jahres ist durch und der kalendarische Sommeranfang steht erst am 21. Juni an. Doch viele Menschen leiden bereits unter der Hitze. Was tun?

Wer ein Eigenheim und das nötige Kleingeld hat, kann sich eine Klimaanlage einbauen lassen. Das kostet zwischen 5000 und 10.000 Euro. Die Beschäftigten bei Freistaat und Kommunen dagegen sind auf die Fürsorgepflicht ihrer Arbeitgeber angewiesen. Klimaanlagen für große Amtsgebäude, Krankenhäuser oder Schulen schlagen schon mal mit Kosten im sechsstelligen Bereich zu Buche.

Klar, dass die öffentlichen Arbeitgeber nicht viel davon halten, obwohl sich die Hitze, wenn sie erst einmal in den Gebäuden ist, so leicht nicht wieder herauskriegen lässt. Das trifft ganz besonders auf gut gedämmte Häuser zu. Das können moderne Niedrig- oder Nullenergiebauten sein, aber auch historische Sandsteinhäuser, wie es sie vor allem in Franken verstärkt gibt.

Präventive Maßnahmen

Nürnberg und Augsburg setzen überwiegend auf präventive, stadtklimatische und bauliche Maßnahmen, die Hitze reduzieren, bevor sie entsteht. Ein Sprecher der Stadt Nürnberg verweist auf Begrünung, Entsiegelung, Schattenplätze, Frischluftschneisen und Gebäudemaßnahmen zur passiven Kühlung. Klimaanlagen werden im Hitzeschutzaktionsplan der Frankenmetropole ebenso wenig als zentrale Strategie verfolgt wie in Augsburg. Eine Nachrüstung mit Klimaanlagen ist aus Kostengründen nicht vorgesehen. Man nennt aber auch klima- und energiepolitische Gründe.

Bei der Stadt Regensburg verweist man auf das Umweltbundesamt. Dieses empfehle den Einsatz von Klimaanlagen nicht. Weil sie viel Strom fressen und klimaschädlich seien. Der Einbau von Klimaanlagen ist bei der Stadtverwaltung nur dann vorgesehen, „wenn sich hierzu eine arbeitsstättenrechtliche zwingende Notwendigkeit ergibt und alle bereits durchgeführten baulichen und organisatorischen Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung der Hitzesituation geführt haben“, erklärt eine Stadtsprecherin. Sprich, man soll die preiswertere Variante wählen, erst mal Wärmeerzeuger wie nicht benötigte Elektrogeräte abschalten, nachts lüften und die Arbeitszeiten entsprechend der Hitzebelastung anpassen.

Bäume vor Gebäude

„Man sollte nicht die Gebäude isoliert betrachten, sondern auch das jeweilige Umfeld miteinbeziehen“, empfiehlt Bauingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser aus Rothenburg ob der Tauber. So könnten Bäume vor Gebäuden die Hitzebelastung im Inneren deutlich reduzieren. Darum votiert Edelhäuser, der auch Vorstand in der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau ist, für Entsiegelung. Gerade dicht bebaute Innenstädte würden wie Backofen wirken.

Bäume sind gut – dennoch dürfen Klimaanlagen kein Tabu sein. Stromfressende Rechenzentren werden schließlich auch klimatisiert, damit sie ihre Leistung bringen. Die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, Katharina Schulze, verlangte – allen ökologischen Bedenken zum Trotz – bereits im vergangenen Jahr ein Förderprogramm für die Klimatisierung öffentlicher Gebäude, etwa für Schulen, Kitas, Kliniken und Altenheime. Klimaanlagen seien nötig: „Wir brauchen sie einfach. Punkt“, erklärte die Grüne.

Tatsächlich gibt es auf Bundesebene Fördermittel für den Einbau von Klimaanlagen. Zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft. Antragsberechtigt sind Unternehmen, zudem kommunale Gebietskörperschaften, Zweckverbände und Eigenbetriebe, Hochschulen und Schulen oder Kliniken. 
(Ralph Schweinfurth)

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