Politik

Die Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt in Bayern hoch, insbesondere im Internet nehmen Bedrohungen und Hass deutlich zu. (Foto: dpa/Daniel Reinhardt)

05.05.2026

Mehr als 1500 Fälle: Antisemitismus bleibt auf Höchststand

Nach dem Hamas-Terrorangriff auf Israel und dem Beginn des Gaza-Kriegs ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in die Höhe geschnellt. Nun liegen wieder neue Zahlen vor. Die Reaktionen: beunruhigt

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern bleibt weiter auf Rekordhoch. 2025 verzeichnete die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern 1.551 antisemitische Vorfälle im Freistaat. 2024 waren es 1.526 gewesen. Vermehrt seien Online-Bedrohungen mit teils expliziten und potenziell strafbaren Gewaltaufrufen dokumentiert worden, teilte RIAS zur Vorstellung des neuen Jahresberichts in München mit.

Insbesondere online werde oft ganz unverblümt gegen die Juden gehetzt, erläuterte RIAS-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpacı. Antisemitische Ausdrucksformen wurden enthemmter, bedrohlicher und direkter.

Unter den dokumentierten Fällen war auch ein Fall extremer Gewalt: In einer Coburger Asylbewerberunterkunft soll ein Bewohner einen Mann mit einem Messer angegriffen und verletzt haben, weil er diesen fälschlicherweise für einen Juden hielt – das geht aus dem neuen Jahresbericht hervor.

Zentralrat warnt vor Entwicklung

Zudem registrierte RIAS 14 Angriffe, 22 gezielte Sachbeschädigungen, 78 Bedrohungen, zehn Massenzuschriften und 1.426 Fälle verletzenden Verhaltens. Darunter werden antisemitische Äußerungen gegenüber jüdischen oder israelischen Personen oder Institutionen gefasst, aber auch antisemitische Beschimpfungen oder Kommentare gegenüber anderen.

Die Zahl der Online-Vorfälle stieg von 385 auf 827. Es gab Beschimpfungen, Bedrohungen und Gewaltaufrufe. Das gesellschaftliche Tabu des öffentlich geäußerten Judenhasses scheint zunehmend einzubrechen, sagte Seidel-Arpacı.

Die antisemitische Radikalisierung ist alarmierend: 1.551 dokumentierte Fälle sind erschreckend. Jeder Fall ist einer zu viel, sagte Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU). Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle betonte: Wir müssen Jüdinnen und Juden vor dem wachsenden Hass von Rechts- und Linksextremen sowie von Islamisten schützen.

Judenhass laut Zentralrat etabliert

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte: Jüdinnen und Juden in Bayern müssen seit zweieinhalb Jahren in permanenter Unsicherheit leben. Er warnte: Der Judenhass hat sich in Deutschland etabliert, und nur enorme Kraftanstrengungen können diesen Trend umkehren.

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle schnellte seit dem Hamas-Massaker im Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg drastisch in die Höhe. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) teile mit, im vergangenen Jahr seien in Bayern 906 neue Ermittlungsverfahren wegen antisemitischer Straftaten eingeleitet worden. Gleichzeitig gab es demnach 203 Verurteilungen. (dpa)

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