Politik

Wer in den öffentlichen Dienst will, hat derzeit nur schlechte Chancen. (Foto: dpa, Johannes Neudecker)

26.06.2026

Schwierige Jobsuche: Zahlreiche Kommunen stellen fast nicht mehr ein

Diverse bayerische Großstädte besetzen frei werdende Stellen kaum noch wieder. Das ergab eine BSZ-Umfrage. Der Städtetag geht davon aus, dass Einstellungsstopps längst keine Einzelfälle mehr sind. Und die Aussichten für Berufseinsteiger, die in den öffentlichen Dienst wollen, dürften auch weiterhin schlecht bleiben

Für viele Berufseinsteiger war es ein Schock, als die Stadt München Anfang 2025 bekannt gab, man werde abgesehen von bereits im Einstellungsprozess befindlichen Kandidaten nur mehr in ganz wenigen Bereichen neues Personal einstellen. Doch wie sieht die Situation in der Landeshauptstadt heute aus? Der Stellenbesetzungsstopp gelte unverändert weiter, sagt ein Sprecher des Personalreferats. Frei werdende Stellen würden „nicht automatisch nachbesetzt, sondern nach Aufgabenbedarf, Finanzierbarkeit und organisatorischer Notwendigkeit geprüft“. Ausgenommen vom Einstellungsstopp seien insbesondere Erzieher, Lehrer und Feuerwehrleute.

Mit den Einsparungen versucht die finanziell gebeutelte Isarmetropole die Personalkosten auf 2,5 Milliarden Euro pro Jahr zu deckeln. Dem Bayerischen Städtetag zufolge ist die Landeshauptstadt „kein Einzelfall“. Viele Städte und Gemeinden müssten „aus Kostengründen bei der Wiederbesetzung von Stellen oder besonders bei der Neuschaffung von Stellen bremsen“. Dies liege vor allem an den hohen Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst. Zudem leiden die Kommunen unter teils gesunkenen Steuereinnahmen bei gleichzeitig steigenden Ausgaben – etwa im Sozialbereich.

Keine Beförderungen

BSZ-Anfragen bei den acht bayerischen Großstädten zeigen, dass die Chancen für Bewerber im öffentlichen Dienst schlecht stehen. „Wir haben einen Stellenschaffungsdeckel und diesen für 2027 stark verschärft“, sagt eine Sprecherin der Stadt Fürth. So spare man knapp eine Million Euro. Auch in Ingolstadt gelten laut einem Sprecher aufgrund der mauen „Haushaltslage strenge Vorgaben für die Wiederbesetzung frei werdender Stellen“.

Diese unterliegen ihm zufolge „grundsätzlich einer Nachbesetzungssperre bis zum 30. Juni sowie darüber hinaus einer sechsmonatigen Wiederbesetzungssperre“. Nachbesetzungen erfolgten vorrangig durch interne Umsetzungen. „Externe Einstellungen sind nur in begründeten Ausnahmefällen möglich“, so der Sprecher. Die Einnahmen leiden unter der Audikrise.

In Nürnberg wurde der Haushalt zuletzt nur unter Auflagen genehmigt, was auch Folgen für die Personalpolitik hat: Die Frankenmetropole hat in einem Konsolidierungsprogramm bereits 300 Stellen abgebaut. „Weitere Stellen werden im Zuge der Aufgabenkritik entfallen“, sagt ein Sprecher. Auch anderswo müssen Bewerber für Jobs im öffentlichen Bereich oft einen langen Atem haben: „Aufgrund der äußerst angespannten Haushaltslage ohne genehmigten Haushalt wurde bereits im September 2024 eine Wiederbesetzungssperre eingeführt, die nach wie vor Anwendung findet“, sagt Erlangens Personalreferent Thomas Ternes.

Wenige Ausnahmen

Es gibt nur wenige Ausnahmen – wie den Kita-Bereich. „In der Wirkung werden frei werdende Planstellen für eine Dauer von mindestens sechs Monaten nicht nachbesetzt“, so Ternes. Durch die Maßnahme könnten bei den Personalkosten jährlich gut 7 Millionen Euro eingespart werden. Die Siemensstadt hat wegen massiv eingebrochener Steuereinnahmen kaum eine andere Wahl.

Der Stellenabbau bleibt für die Bürger jedoch nicht folgenlos. „Die Wiederbesetzungssperre führt beim bestehenden Personal zu einer Arbeits- und Aufgabenverdichtung“, räumt Ternes auf Anfrage offen ein. Ihm zufolge könnten „die Pflichtaufgaben noch weitestgehend erfüllt werden, wenn auch nicht immer in dem eigentlich erforderlichen Zeitrahmen“. Doch er fügt hinzu: „Insbesondere bei freiwilligen Leistungen sind Einschränkungen und Standardabsenkungen deutlich spürbar.“

Eine Sprecherin der Stadt Fürth sagt: „Die Personalsituation ist in einigen Bereichen sehr angespannt.“Weil die Verwaltung ausgedünnt wird, sind die Wartezeiten in den Behörden zuletzt länger geworden. In München machten Bürgerbüros dicht. Sparen muss auch Augsburg. Ein Einstellungsstopp ist nach Angaben der Stadt allerdings derzeit nicht geplant. Ähnlich äußert sich auch Würzburg, Azubis würden übernommen.

Aus Sicht der Kommunen ist klar: Eine Besserung ist angesichts der mauen Konjunktur, steigender Kosten und nicht ausreichender Unterstützung durch Bund und Länder bei den Sozialkosten erst einmal nicht in Sicht.
(Tobias Lill)

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