Politik

25.06.2026

Soll man den Doppelpass für alle Neueingebürgerten wieder abschaffen?

Seit der Reform des Einbürgerungsrechtes 2024 können alle Neueingebürgerten ihren alten Pass behalten. Fast alle machen davon auch Gebrauch. Alexander Hold, Landtagsvizepräsident und Freie-Wähler-Abgeordneter, fordert eine Abschaffung der generellen Doppelpass-Regelung. Johannes Schätzl, Innenexperte der SPD im Bundestag, sieht das anders

JA

Alexander Hold, Landtagsvizepräsident und Freie-Wähler-Abgeordneter

Der Grundsatz steht außer Frage: Wer integriert ist und sich mit unseren Werten identifiziert, soll Deutscher werden können. Die Staatsbürgerschaft ist aber vor allem mit zusätzlichen Rechten verbunden, nicht mit Pflichten. Daraus folgt sozialer Sprengstoff durch mögliche Rosinenpickerei bei der doppelten Staatsbürgerschaft – vom Steuerrecht bis zur Wahl des Gesundheitssystems. Zudem entstehen bürokratische Schwierigkeiten: Welche Regeln gelten bei erb- oder familienrechtlichen Streitigkeiten? Führt die Wehrpflicht zur doppelten Loyalitätspflicht gegenüber zwei Staaten oder gar zum Privileg, sich vor jeglichem Dienst zu drücken? Die Einbürgerung sollte das Endergebnis einer erfolgreichen Integration sein – als Initialzündung taugt sie nicht.

Es macht Sinn, die doppelte Staatsbürgerschaft im Einzelfall hinzunehmen – als Regelfall verwässert sie aber die Identifikation mit unserem Land.

NEIN

Johannes Schätzl, Innenexperte der SPD im Bundestag

2025 haben über 300.000 Menschen das Einbürgerungsverfahren erfolgreich abgeschlossen. Das bedeutet, dass sie sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut haben, Deutsch gelernt haben und ihren Lebensunterhalt selbst sichern. Sie haben sich aktiv dazu entschlossen, gleichberechtigter Teil dieses Landes werden zu wollen. Die Mehrheit dieser Menschen besitzt nun zwei Staatsangehörigkeiten. Ich freue mich darüber – der Doppelpass ist ein Erfolgsmodell für das Einwanderungsland Deutschland. Wir als SPD bleiben daher auch bei unserer klaren Haltung: Die Mehrstaatigkeit gehört zu einem modernen Land dazu.

Menschen haben häufig tiefe Verbindungen zu mehr als einem Land und es ist okay, dass sich das in der Staatsbürgerschaft widerspiegelt. Das Thema wurde in den Koalitionsverhandlungen ausführlich diskutiert: Ergebnis war die Verständigung darauf, dass die Drei-Jahres-Einbürgerung abgeschafft wird, alle anderen Aspekte des Einbürgerungsrechts aber erhalten bleiben. Dieser Kompromiss steht.

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