Politik

01.05.2026

Urlaub daheim statt Übersee

Viele dürften wegen der Flugkosten im Sommer in Bayern bleiben – doch in der Tourismusbranche jubelt keiner

Steigende Preise, gestrichene Verbindungen und viele unsichere Ziele: Der Iran-Krieg wirkt sich auch auf die Planungen für den Sommerurlaub aus. Gerade bei Flugreisen muss man mit deutlich höheren Kosten rechnen. Profitieren davon die bayerischen Tourismusregionen? Nicht unbedingt.

Zwar haben viele ihren Sommer-(Pauschal-)Urlaub bereits weit vor Kriegsausbruch gebucht. Doch etliche warten noch ab. Gerade für die Unentschlossenen könnte der Sommerurlaub in Bayern in diesem Jahr eine gute Alternative sein. Schließlich ist man dabei nicht von Flugpreisen abhängig. „Wir gehen davon aus, dass der Urlaub dahoam wieder attraktiver wird“, sagt Thomas Geppert, Geschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga).

Doch allzu positiv blickt man in Bayerns Tourismusbranche nicht auf dieses Jahr. Zwar habe die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen viel geholfen, sagt Bayerns Dehoga-Chef. Doch die gestiegenen Energiepreise und weitere Verteuerungen drücken auf die Geldbeutel der Menschen – die jetzt erst mal abwarten.

Zurückhaltung bei Buchungen

„Wir erleben seit einigen Wochen eine Buchungszurückhaltung für den Pfingst- und Sommerurlaub“, sagt Ulrike Eberl-Walter vom Tourismusverband Ostbayern. Stornierungen habe es zwar keine gegeben, dafür deutlich weniger Vorausbuchungen als im Vorjahr. So nimmt es auch Oswald Pehel, Geschäftsführer von Tourismus Oberbayern München, in der wichtigsten Urlaubsregion des Freistaats wahr.

Dass Menschen vor allem aus dem Inland kommen werden, davon sind sie überzeugt. Allerdings dürften sie wohl weniger Geld dalassen als in früheren Zeiten. Der Trend, dass man nicht am Urlaub, sondern im Urlaub spart, werde sich weiter verstärken, schätzt Pehel. Vor allem Familien entschieden sich häufiger dazu, selbst in der Ferienwohnung zu kochen, statt essen zu gehen, sagt Eberl-Walter.

Unsicherheit bei Fernreisen

Während gerade die ländlicheren bayerischen Urlaubsregionen vor allem vom Inlandstourismus leben, ist die Landeshauptstadt München besonders auf Gäste aus den Golfstaaten und Asien ausgerichtet. Doch diese kommen wegen des Iran-Krieges nicht so leicht hierher wie sonst. „Hier werden sicherlich Rückgänge zu registrieren sein“, schätzt Pehel.

Im Wirtschaftsreferat der Stadt München kann man das so nicht bestätigen. Zumindest im März und in der ersten Aprilhälfte habe es „keine signifikanten Veränderungen zu den Vorjahren“ gegeben, erklärt eine Sprecherin. Womöglich hat sich die Lage im Nahen Osten ja auch bis zur Hauptsaison im Sommer wieder beruhigt.

Fliegen wird teurer

Flexibilität ist auf jeden Fall das Gebot der Stunde bei der diesjährigen Urlaubsplanung. Wer trotz aller Unsicherheit auf eine Flugreise setzt, dem raten Reiseanbieter zu sogenannten Flex-Tarifen. Schließlich kann man so auch noch kurzfristig den geplanten Urlaub stornieren, umbuchen oder zeitlich verschieben.

Doch die Lufthansa Group lässt sich diese Flexibilität nun einiges kosten. Die größte deutsche Fluggesellschaft hat praktisch über Nacht die Stornogebühren zum Teil um mehr als 100 Prozent erhöht, wohlgemerkt bei ihren Flex-Tarifen. So wird bei Economy-Flügen innerhalb Europas eine Gebühr von 150 statt 70 Euro fällig, bei Langstrecken zahlen Economy-Kunden statt gar nichts nun 400 Euro, in der Businessclass sogar 1000 Euro.

Die Tickets an sich kosten inzwischen auch mehr. Die Lufthansa Group – und auch andere Fluganbieter – haben ihre sogenannte International Surcharge angehoben. Dieser Aufschlag soll unter anderem die gestiegenen Kerosinpreise abdecken. Langstreckenflüge können so gleich ein paar 100 Euro mehr kosten. Einen Flug von München nach New York konnte man vor Ausbruch des Irankriegs etwa ab 300 Euro (Economyclass) bekommen. Inzwischen zahlt man schon rund 200 Euro mehr.

Mit Verweis auf gestiegene Kosten und um Kerosin einzusparen, hat die Lufthansa Group 20 000 Kurzstreckenflüge gestrichen. Die Lufthansa-Tochter Cityline hat deswegen ihren Betrieb eingestellt. „Für die im Sommerflugplan vorgesehenen Flüge erwartet der Konzern eine weitgehend stabile Treibstoffversorgung“, betont eine Sprecherin. Der Kerosinbedarf für dieses Jahr sei zu 80 Prozent auf Vorkrisen-Preisniveau abgesichert und fürs nächste Jahr zu 40 Prozent. „Mit diesem Sicherungsgrad stehen wir besser da als die meisten Wettbewerber.“

Keine Angst vor Kerosinmangel

Beim Flughafen München ist man auch entspannt: „Es gibt aktuell keine Anzeichen oder Meldungen seitens der Raffinerien, die auf eine mögliche Verknappung hindeuten“, teilt ein Sprecher mit.

Gerade hierzulande müsse sich tatsächlich niemand um einen Kerosinmangel sorgen, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Über 80 Prozent des Kerosins wird in Deutschland hergestellt.“ Für Alarmismus sieht er keinen Grund. „Klappern im Geschäft gehört dazu.“ So ordnet er auch den Vorstoß der Flugbranche ein, sich bei Streichungen von Flügen wegen Kerosinmangels auf höhere Gewalt berufen zu wollen. Bisher steht Verbraucherinnen und Verbrauchern laut EU-Recht eine Entschädigung zu. Buttler findet das auch richtig so. „Ein gewisses betriebswirtschaftliches Risiko muss auch bei der Airline liegen, das kann man nicht auf die Kunden abwälzen.“

Nachträglich die Preise zu erhöhen, das ist Fluggesellschaften nicht möglich. Reiseanbieter können das aber durchaus – um bis zu 8 Prozent bis 20 Tage vor Reiseantritt. Zulässig ist das laut dem Experten der Verbraucherzentrale nur bei Treibstoffzuschlägen, Flughafengebühren und Währungsschwankungen. Das muss aber explizit im Reisevertrag festgehalten sein. (Thorsten Stark)

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