Politik

Der Verfassungsschutz sieht einen deutlichen Anstieg extremistischer Bestrebungen in Deutschland. Besonders das rechtsextremistische Personenpotenzial ist laut Jahresbericht gewachsen. (Foto: dpa/Kay Nietfeld)

30.06.2026

Verfassungsschutz: Mehr Extremisten in Deutschland

Die Sicherheitsbehörden melden einen deutlichen Anstieg bei Rechtsextremen – und sehen auch im linken Lager neue Dynamik. Was hinter dem Zuwachs steckt und warum die Aufklärung manchmal schwierig ist

Der Verfassungsschutz sieht bundesweit mehr Menschen mit extremistischen Einstellungen, vor allem im rechten Spektrum. Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden zudem, dass die Zahl minderjähriger Rechtsextremisten und Salafisten zunimmt – oft als Folge einer Online-Radikalisierung. Wie aus dem Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) weiter hervorgeht, rechnete der Inlandsgeheimdienst im vergangenen Jahr 58.700 Menschen dem rechtsextremistischen Personenpotenzial zu – 8.450 mehr als im Jahr zuvor.

AfD-Mitglieder treiben Zahl nach oben

Dieser Zuwachs hängt größtenteils mit dem Mitgliederzuwachs der AfD zusammen, die vom BfV aktuell als Verdachtsfall beobachtet wird. Die Partei hatte im Oktober erklärt, sie habe nunmehr 70.000 Mitglieder. Von diesen seien etwa 28.000 Rechtsextremisten, schätzt der Verfassungsschutz. In Bezug auf die Auflösung der Jungen Alternative und die Gründung einer neuen AfD-Nachwuchsorganisation sagt Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen: „Wir sehen eine programmatische und personelle Kontinuität hin zur Generation Deutschland.“

Mehr Gewaltbereite und Anschlagsplanungen

Insgesamt hätten Mitteilungen und Erkenntnisse zu Anschlagsplanungen 2025 zugenommen, betont Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) – ebenso wie die Zahl der gewaltbereiten Extremisten sowohl im rechten als auch im linken Spektrum.

Dem linksextremistischen Spektrum ordnete das Bundesamt 2025 bundesweit 42.200 Menschen zu, nach rund 38.000 im Vorjahr. Die Szene gilt als schwer zu durchdringen. „Wir haben es hier mit hochkonspirativen Strukturen zu tun“, sagt Selen.

Linksextremismus, Islamismus und Sabotage

Wenig Erhellendes findet sich im Bericht etwa zu Täterinnen und Tätern, die hinter verschiedenen Anschlägen auf die Stromversorgung und die Bahninfrastruktur vermutet werden. So heißt es dort: „Es lässt sich annehmen, dass sich hinter den ‚Vulkangruppen‘ ein Netzwerk verbirgt.“ Dabei dürfte es sich um unterschiedliche Strukturen handeln, die den Namen „Vulkangruppe“ als eine Art „Label“ nutzten. Verbindungen zwischen den einzelnen Strukturen seien nicht auszuschließen. Ideologisch würden die Vulkangruppen dem gewaltorientierten anarchistischen Spektrum zugeordnet.

Dass linksextremistische Gruppen aktuell Zulauf haben, sieht der Verfassungsschutz auch in einem Zusammenhang mit Entwicklungen im rechten Spektrum. So heißt es im Jahresbericht: „Aufgrund des von der Szene wahrgenommenen ‚Rechtsrucks‘ in der Gesellschaft ist davon auszugehen, dass der ‚militante Antifaschismus‘ seine wichtige Rolle behalten und es weiterhin zu einer Vielzahl von linksextremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten in diesem Kontext kommen wird.“

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat laut BfV nicht nur zu einer Zunahme von Spionage, Sabotage, Desinformation und Einflussoperationen durch Russland in Deutschland geführt, sondern auch den Linksextremismus befeuert – etwa wenn unter Berufung auf „antimilitaristische Gründe“ Straftaten begangen würden.

Der Nahostkonflikt habe 2025 erneut „ein hohes Mobilisierungspotenzial im islamistischen Spektrum“ erzeugt, stellt das Bundesamt fest. Insgesamt hätten sich Anhänger von Hamas und Hisbollah aber mit öffentlichkeitswirksamen Handlungen weitestgehend zurückgehalten.

Dobrindt will Verfassungsschutz stärken

Dobrindt hält ausreichend Personal für wichtig. Der Verfassungsschutz soll mehr Werkzeuge in die Hand bekommen, vor allem zur Aufklärung im digitalen Raum. Im Vorwort des Jahresberichts dankt er den 4.649 Mitarbeitern des BfV. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 hatte das Amt 2.813 Mitarbeiter. In Anbetracht der aktuellen Situation sei er überzeugt, „dass wir weiter aufrüsten müssen“ – sowohl im Bereich der Technik als auch, was die Befugnisse angeht, damit BfV und Bundesnachrichtendienst (BND) „zu echten Geheimdiensten werden“. (dpa)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.