Unser Bayern

06.03.2026

Unser noch unerforschtes Bayern

Seit November hat Bernhard Setzwein eine Buckelwiese im Garten. Das hat ihn so lange nicht gestört, wie Schnee drüber lag. Jetzt aber muss er sich Gedanken über den Verursacher machen.

Unser Garten sieht heuer am Frühjahrsanfang aus, als wolle er mit den bekannten und schon vielfach abfotografierten Buckelwiesen bei Mittenwald in ernsthafte Konkurrenz treten. Ein Contest in Buckladheit! Wer hat mehr Hubbel? Anfänglich waren sie ja noch ganz hübsch anzuschauen, solang sie nämlich unter einer Schneedecke lagen, die sich heuer wochenlang über die Landschaft legte. Jetzt aber sind da überall braune, unansehnliche Erdhaufen.

In Mittenwald jedenfalls sind die Hubbel viel schöner anzuschauen, weil grün bewachsen. Dort sorgten einmal Gletscher für diese Unebenheiten im Gelände, und das ist auch schon ziemlich lange her. Bei uns im Garten war es eine Maulwurfsippe … Großfamilie, so dachte ich, die Zahl der Hügel legte diese Annahme nahe. Sie ging immerhin in die zwei, drei Dutzend. Und die Beulen ploppten auf wie über Nacht, die Buckelwiesen-Verwandlung fand in nur wenigen Tagen statt. Diese plötzliche und ziemlich hässliche Beulenpest befiel unseren Garten noch im November. Sah nicht schön aus. Dann kam der gnädige Schnee. Immerhin. 

Mittlerweile weiß ich, denn der Fall ließ mir keine Ruhe und zwang mich zu Nachforschungen, dass das alles das Werk eines einzigen Übeltäters ist. Maulwürfe sind nämlich Einzelgänger. Als solche aber mit ziemlichem Arbeitseifer ausgestattet. Die gönnen sich ja noch nicht einmal einen ausgiebigen Winterschlaf, was man eigentlich annehmen möchte. Denn sogar wir Menschen hören das Graben auf, wenn der Jahreskalender die Monate Dezem-ber, Januar und Februar anzeigt und das Thermometer zapfige Minusgrade. In der Gegend, wo ich lebe, in Bayrisch Sibirien, erzählt man sich heute noch Geschichten von früher, dass, wenn wochenlang strenger Frost herrschte und der Boden bis tief hinunter steinhart war, man Verstorbene, eisig gefroren, erst einmal irgendwo ablegte. Denn an das Ausheben eines Grabes draußen auf dem Gottesacker war gar nicht zu denken. 

Aber der Maulwurf, das possierliche Tierchen, wie der unvergessene Tierfilmer und Zoologe Bernhard Grzimek gesagt haben würde, der gibt freilich keine Ruhe. Der gräbt weiter. Halt etwas weiter unten. Er kann sich zurückziehen bis auf einen Meter und noch tiefer. Was er aber eben nicht kann, ist, eine Ruhe geben, sich hinlegen, nichts mehr fressen und Winterschlaf halten. Ein richtiger Digaholic ist der – von wegen „to dig“, englisch für „graben“. Das produziert natürlich jede Menge Kohldampf. Er muss fressen, fressen, fressen. Daher legt er sich in seinem ungeheuer weitverzweigten Gängelabyrinth extra Speiskammern an. In denen hängt nicht grad sein G’räuchertes, aber doch lebendige Regenwürmer. Ehrlich wahr. Er weiß da einen ganz bestimmten Biss, der Maulwurf, mit dem er die Regenwürmer lähmt. Ideale Frischhaltung für seine Brotzeiten im Winterhalbjahr.

Maulwürfe – die stehen doch unter Denkmalschutz!

Sie sehen schon, mittlerweile bin ich zum Maulwurfversteher geworden. Ich geb’s zu, ich war’s nicht sofort und nicht von Anfang an. Als die Buckel und Beulen nur so sprossen, dachte ich mir: Das ist ja allerhand. Der Kerl verwandelt uns hier – ich übertreib – den mit der Nagelschere gepflegten Golfrasen in ein einziges Schlachtfeld. Ich bin dann sogar in unser Geschäft für Gartenbedarf gegangen und habe mich nach möglichen Vergrämungsmaßnahmen erkundigt. Irgendwas muss es doch geben. Umleitungsschilder mit der Aufschrift „Ausweichroute über Nachbarsgarten“ zum Beispiel. Der Verkäufer, der ein wirklicher Fachmann ist, schaute mich recht konsterniert an und meinte nur: „Ja, woaßt denn du ned, der steht unter Denkmalschutz.“

Jetzt weiß ich es. Und halte mich auch daran. Nicht einmal so ein Ultraschallgerät habe ich mir mitzunehmen getraut. Die sind rechtlich erlaubt, dürfen in die Maulwurfshügel hineingesteckt werden und geben dann einen für unseren Grabprofi sehr unangenehmen Ton von sich. Aber der Gartengeschäftsfachmann meinte dann nur, ob ich denn gerne Tag und Nacht neben einer bis zum Anschlag aufgedrehten Lautsprecherbox mit Technomusik leben möchte. Nein, mag ich nicht. Ich schloss mich schließlich dem Fachmann an. Er beruhigte mich: „Sei froh, so ein Maulwurf zeigt dir wenigstens, dass dein Boden noch lebt.“ Wohl wahr!
 

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