Wirtschaft

Deutschland könnte sich zu etwa 17 Prozent aus heimischem Biomethan versorgen. (Foto: dpa, Maurizio Gambarini)

06.03.2026

Der Bund ist am Zug: Trotz explodierender Gaspreise wird heimisches Biomethan kaum genutzt

Wegen des Iran-Krieges explodiert der Gaspreis – der Freistaat sieht den Bund in der Pflicht

Katar ist ein Schwergewicht der globalen Flüssiggasversorgung. Wegen der amerikanisch-israelischen Attacken auf den Iran nimmt der Mullah-Staat die LNG-Anlagen des Emirats ins Visier. Offenbar mit Erfolg: Die Produktion steht still, der Gaspreis in Europa explodiert – obwohl Deutschland nicht zu den Kunden gehört.

Stellt sich die Frage, wieso die Bundesregierung dem heimischen Biogas immer noch nicht den Stellenwert bei der Energieversorgung einräumt, den es haben sollte. „Die Gasinfrastruktur ist vorhanden, diese kann genutzt werden. Die Bundesregierung muss mit Blick auf eine resiliente Gasversorgung auf die Produktion von Biomethan im eigenen Lande setzen, genauso auch den Hochlauf von Wasserstoff beflügeln“, sagt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der Staatszeitung.

Seinem Haus zufolge hätte Deutschland ein Biomethanpotenzial von rund 150 Terawattstunden (TWh). Angesichts des Gasverbrauchs von rund 864 TWh im vergangenen Jahr könnte sich Deutschland etwa zu 17 Prozent aus heimischem Biomethan versorgen. „Das ist beachtlich. Bei sinkenden Gasverbräuchen könnte man perspektivisch von einem Viertel sprechen“, betont eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Universell einsetzbar

Biogas ist universell einsetzbar, für die Erzeugung von Strom und Wärme, und auch im Kraftstoffbereich. Um Biogas zu Biomethan aufzubereiten, braucht es die richtigen Zugangsbedingungen zum Gasnetz, zudem müssen Anlagenbetreiber ihre Anlagen wirtschaftlich betreiben können.

„Bayern hat dies schon vor einiger Zeit erkannt. Wir haben bereits im letzten Jahr gemeinsam mit den Gasnetzbetreibern und den Biogasanlagenbetreibern die Einspeiseinitiative Biogas Bayern ins Leben gerufen und aufgezeigt, wie die Biomethannutzung in Bayern weiter angereizt werden kann“, erläutert die Ministeriumssprecherin. Bayern dränge darauf, dass der Bund nun die richtigen Weichen zu einer stärkeren Nutzung von Biomethan stellt. Mit der EEG-Novelle seien erste positive Änderungen sichtbar. Es müsse aber noch nachgelegt werden.

So müsste der Bund die Errichtung von Biomethananlagen anreizen. „In Bayern haben wir 27 Biomethananlagen. Damit diese mehr werden, hat Bayern in einem ersten Schritt das Förderprogramm BioMeth Bayern aufgelegt“, so die Sprecherin. Auch der Bund müsse hier dringend nachlegen, wenn man sehe, dass eine große Biogasaufbereitungsanlage rund 4 bis 5 Millionen Euro kostet. Für den einzelnen Biogasanlagenbetreiber sei das kaum zu stemmen.

Vorhandene Ressourcen entschlossen nutzen

Erforderlich sei eine entschlossene Nutzung der im eigenen Land vorhandenen Ressourcen. Anstatt bei LNG-Lieferungen auf externe Produzenten zu blicken, sollte das inländische Potenzial von Biomethan und Biogas stärker berücksichtigt werden. Landwirtschaftliche Betriebe verfügten über geeignete Einsatzstoffe und können Biomethan produzieren. Die Bundesregierung müsse nun den Biogasanlagenbetreibern auskömmliche Bedingungen bieten. Es brauche einen Ruck und eine positive Stimmung gegenüber diesem erneuerbaren Energieträger.

„Neben Biomethan sollten auch Energieholzressourcen stärker genutzt werden, um nachhaltige Wärme zu erzeugen. In Bayern können rund 70 Prozent der erneuerbaren Wärme durch Energieholz bereitgestellt werden“, sagt die Ministeriumssprecherin. Hierfür seien keine Importe erforderlich und die Wertschöpfung verbleibe in den Regionen. Diese Potenziale sollten genutzt werden.
(Ralph Schweinfurth)

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