Wirtschaft

Zhanna Sirchenko (l.) und Oksana Tryndiuk, beide Anfang März 2022 aus Kiew geflüchtet, bei einem Pressetermin der Deutschen Bahn im Frankfurter Hauptbahnhof. Das Staatsunternehmen unterstützt Ukrainerinnen und Ukrainer mit speziellen Beratungszentren und einer Hotline beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. (Foto: dpa/Arne Dedert)

17.02.2026

Integration von Ukrainern in den Arbeitsmarkt kommt voran

Dreieinhalb Jahre nach Kriegsbeginn hat rund die Hälfte der früh geflüchteten Ukrainer in Deutschland einen Job. Viele arbeiten jedoch in Teilzeit und beziehen weiter Leistungen. Gleichzeitig sorgt die geplante Kürzung bei Integrationskursen für neue Debatten

Dreieinhalb Jahre nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat rund die Hälfte der in den ersten sechs Kriegsmonaten nach Deutschland geflüchteten Menschen im erwerbsfähigen Alter einen Job gefunden. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hervor.

Damit liegt die Beschäftigungsquote der Ukrainerinnen und Ukrainer zwar noch deutlich unter der Quote der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter – diese lag im Juni vergangenen Jahres bei rund 68 Prozent. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass unter den Geflüchteten viele Frauen sind, die sich wegen der Ausreisebeschränkungen für wehrpflichtige Männer allein um ihre minderjährigen Kinder kümmern.

Suche nach Kita-Plätzen und psychische Belastungen

Im September 2025 waren laut Analyse lediglich 21 Prozent der Ukrainerinnen mit Kleinkindern unter drei Jahren und ohne Partner abhängig beschäftigt. Fehlende Betreuungsangebote erschweren vielen die Arbeitsaufnahme.

Hinzu kommen psychische Belastungen durch Kriegserlebnisse. „Viele geflüchtete Menschen kämpfen mit psychischen Problemen“, sagt Yuliya Erner, Leiterin des Förderprogramms „Fast-Track für ein Leben in Deutschland“ der Deutschlandstiftung Integration. Das wirke sich stark darauf aus, wann ukrainische Frauen im Arbeitsleben ankommen.

Zur Zahl der Selbstständigen liegen keine aktuellen Daten vor. Im Jahr 2023 lag ihr Anteil bei etwa 5,3 Prozent.

Viele Beschäftigte sind weiter auf Leistungen angewiesen

Da viele Geflüchtete – vor allem Frauen – in Teilzeit arbeiten, ist der ergänzende Leistungsbezug weiterhin hoch. Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lebten 41 Prozent der ukrainischen Geflüchteten mit Job zwei Jahre und neun Monate nach ihrer Ankunft in einem Haushalt, der zusätzlich staatliche Leistungen erhielt. Besonders häufig ist dies in Familien mit Kindern der Fall.

Schneller integriert als frühere Flüchtlingsgruppen

Im Vergleich zu früheren Fluchtbewegungen verlief die Integration in den Arbeitsmarkt schneller: Eine Beschäftigungsquote von 50 Prozent wurde nun deutlich früher erreicht. Gründe könnten das relativ hohe Bildungsniveau vieler Geflüchteter sein sowie der Umstand, dass sie kein Asylverfahren durchlaufen müssen und sofort arbeiten dürfen.

Zum Stichtag 7. Februar hielten sich laut Ausländerzentralregister knapp 1,16 Millionen Menschen in Deutschland auf, die seit dem 24. Februar 2022 im Kontext des Krieges aus der Ukraine eingereist sind und vorübergehenden Schutz nach der EU-Massenzustromrichtlinie erhalten haben. Dieser Schutz ist zuletzt bis zum 4. März 2027 verlängert worden.

Debatte um Leistungen und Integrationskurse

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass ukrainische Flüchtlinge, die nach dem 31. März 2025 einreisen, wieder die geringeren Asylbewerberleistungen erhalten sollen. Eine Sachverständigenanhörung zu einem entsprechenden Gesetzentwurf ist im Bundestag geplant.

Zudem hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) entschieden, die Finanzierung von Integrationskursen stärker auf Menschen mit langfristiger Bleibeperspektive zu konzentrieren. Integrationsexperten befürchten, dass sich dies negativ auf die Arbeitsmarktintegration von Ukrainerinnen und Ukrainern auswirken könnte. (dpa)

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