Wirtschaft

Der Job-Futuromat der Bundesagentur für Arbeit soll zeigen, wie stark Berufe durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändert werden könnten. (Foto: dpa)

24.08.2026

Job-Futuromat: Wenn die KI Journalismus falsch versteht

Kann die KI den Journalismus und andere Berufe ersetzen? Der BfA-Job-Futuromat glaubt, es zu wissen

Ein Onlinetool der Bundesagentur für Arbeit (BfA), der „Job-Futuromat“, schätzt ein, wie stark Berufe durch Digitalisierung und KI verändert oder sogar ersetzt werden können. Die Ergebnisse fallen teils ernüchternd aus. Bei Übersetzern etwa liegt die Automatisierung laut Job-Futuromat bei 100 Prozent, bei Bäckern ebenso, bei Historikern bei 50 Prozent.

Und im Journalismus? Recherche und Informationsbeschaffung seien zu 100 Prozent automatisierbar, behaupten die Forscher des Instituts für Arbeitsmarktforschung der BfA in Nürnberg. Zwei der fünf Kerntätigkeiten von Journalistinnen und Journalisten könnten somit „vollständig von Maschinen ausgeführt werden“. Der Beruf sei daher zu 40 Prozent automatisierbar.

Neues entdecken? Das kann die KI eben nicht

Der Job-Futuromat soll Schülern, Absolventen, Beschäftigten und Arbeitsuchenden Orientierung geben. Er unterteilt Berufe in sogenannte Kerntätigkeiten und erklärt, diese beschrieben die für einen Beruf unerlässlichen Fertigkeiten und Kenntnisse. Doch genau diese Zerlegung halten Fachleute für problematisch, wenn dabei das Wesentliche eines Berufs aus dem Blick gerät.

Die Kommunikationswissenschaftler Klaus Meier und Siegfried Weischenberg kritisieren, dass zentrale Elemente journalistischer Arbeit – Themen finden, Interviews führen, Quellen prüfen und einordnen sowie gesellschaftliche Verantwortung – nicht angemessen abgebildet würden.

Meier, der an der Katholischen Universität Eichstätt zu Innovation im Journalismus forscht, bezeichnet den Job-Futuromaten als „größten Blödsinn, den ich jemals zu KI im Journalismus gelesen habe“. Gerade Recherche und Informationsbeschaffung seien Tätigkeitsbereiche, in denen KI-Tools zwar unterstützen, aber keinen Journalisten ersetzen könnten. Journalismus bestehe auch darin, Neues zu recherchieren, mit Menschen zu sprechen und Themen aufzudecken, die bislang nicht oder nicht aktuell veröffentlicht worden seien.

Der Bayerische Journalistenverband (BJV) teilt die Kritik. Die Annahme, Recherche und Informationsbeschaffung seien zu 100 Prozent durch KI automatisierbar, sei „völliger Unsinn“. Besonders kurios sei dies, weil der Job-Futuromat zugleich behaupte, bei Lektorat und Redaktion sei keine Automatisierung möglich, obwohl dort bereits heute KI eingesetzt werde.

Auch bei anderen Berufen fragwürdige Ergebnisse

Siegfried Weischenberg hält die Datengrundlage des BfA-Tools nicht grundsätzlich für falsch. Darin werde etwa die gesellschaftliche Bedeutung von Recherche und zeitaufwendigen Interviews mit Quellen benannt. Bei der Bewertung sei daraus aber ein fehlerhaftes Berufsbild entstanden. Der Journalismus werde dadurch nicht nur ungenau beschrieben, sondern könne auch in seiner gesellschaftlichen Bedeutung systematisch unterschätzt werden.

Britta Matthes, die für den Job-Futuromaten verantwortliche Wissenschaftlerin, verteidigt das Verfahren. KI-Tools könnten große Textmengen schnell durchsuchen, Inhalte strukturieren und zusammenfassen sowie Berichte in einem gewünschten Stil verfassen. Zwar mache KI Fehler, „aber auch bei der manuellen Recherche werden Fehler gemacht“. Der Futuromat soll bis Ende 2026 aktualisiert werden.

Problematisch ist nach Einschätzung der Kritiker nicht nur die Bewertung des Journalismus. Auch die Kerntätigkeiten von Historikern seien ähnlich oberflächlich zerlegt. Beim Übersetzen wiederum kritisiert der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer die Einstufung als zu 100 Prozent automatisierbar. Luisa Callejón vom BDÜ-Bundesvorstand wirft den Arbeitsmarktforschern vor, den kognitiv anspruchsvollen Übersetzungsprozess nicht verstanden zu haben.

Lokaljournalismus bleibt vorerst menschlich

Immerhin räumt BfA-Expertin Matthes auf Anfrage ein: Lokaljournalismus könne wohl nicht automatisiert werden. Im Job-Futuromat findet sich diese Erkenntnis bislang allerdings nicht. (Thomas Schuler)

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