Politik

Hohe Fixkosten belasten die Betreiber von Volksfesten. Manchen ist das Risiko inzwischen zu hoch. (Foto: dpa/Shotshop, Sonja Witter)

20.02.2026

Volksfeste in Bayern: Zwischen Brauchtum und Budgetgrenze

Steigende Ausgaben, etwa für Sicherheitsmaßnahmen, bringen Traditionsveranstaltungen wie Volksfeste finanziell an ihre Grenzen – ist Eintrittsgeld die Lösung?

Rund 300.000 Besucher freuen sich jedes Jahr im August auf die Bamberger Sandkerwa. Sie ist seit 1951 eines der größten Volksfeste Nordbayerns. Doch 2017 kam der große Knall: Die Sandkerwa musste abgesagt werden. Durch die gestiegenen Investitionen in die Sicherheitsmaßnahmen wusste der dahinterstehende Bürgerverein trotz Zuschüssen der Stadt nicht, wie er die nötigen 200.000 Euro aufbringen sollte. Denn fast 40 Prozent der Gesamtkosten entfallen in Bamberg und andernorts inzwischen allein auf den Bereich Gefahrenabwehr.

Zuverlässige Zahlen, wie viele Veranstaltungen wegen der zunehmenden finanziellen Risiken in Bayern bereits abgesagt werden mussten, gibt es nicht. Bekannt ist, dass 2025 deswegen zum Beispiel der Faschingsumzug in Kempten ausfallen musste. Der Veranstalter sah sich außerstande, die hohen Kosten zu tragen, die durch verschärfte Sicherheitsanforderungen wie Betonquader und Fahrzeugbarrieren entstehen – nötig ist das wegen terroristischer, insbesondere islamistisch motivierter Gefahren. Der Bayerische Gemeindetag berichtet im Gespräch mit der Staatszeitung lediglich von Einzelfällen. Wer mit den Bürgermeistern rede, spüre allerdings schon einen gewissen „Frust“, sagt ein Sprecher. Noch würde es aber funktionieren, weil die Mehrausgaben auf viele Schultern wie Vereine und Gemeinden verteilt würden.

Könnte ein Eintritt für Traditionsfeste eine Lösung sein, wie ihn kürzlich der Präsident des Bayerischen Brauerbunds, Georg Schneider, ins Spiel gebracht hat? Nur so ließen sich seiner Meinung nach die hohen Fixkosten und das Wetterrisiko reduzieren. Hinzu kämen die „veränderten Konsumgewohnheiten“: Viele Menschen müssten den Gürtel enger schnallen und würden weniger ausgeben. Schneider sorgt sich, dass viele Volksfeste, Kirchweihen und Dulten, die Bayern so „liebenswert“ machen, ansonsten dauerhaft ausfallen.

Volksfeste sollen für alle erschwinglich sein

In München stieß Schneiders Vorstoß auf wenig Zustimmung. „Das Oktoberfest ist ein Volksfest und kein Freizeitpark“, kritisierte Münchens Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD). Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey würden es 46 Prozent der Deutschen begrüßen, wenn sie im Gegenzug für günstigere Preise künftig Eintritt bezahlen müssten. Doch bei einer BSZ-Umfrage sprach sich kein größerer Volksfestbetreiber in Bayern für Eintrittsgelder aus.

Obwohl auch in Bamberg die Ausgaben für Sicherheit, Personal und Reinigung immens gestiegen sind, wollen die Veranstalter keinen Eintritt verlangen. „Die Sandkerwa soll als offenes Brauchtumsfest für alle zugänglich bleiben“, sagt Geschäftsführer Dominik Nakic der BSZ. Nach der Absage 2017 wird die Kirchweih jetzt gemeinsam mit der Stadt Bamberg betrieben, die notfalls durch einen Betriebskostenzuschuss einspringt.

Finanziert wird die Sandkerwa seit der Zwangspause durch die Gebühren der Standbetreiber, den Verkauf von Festabzeichen und Sponsorengelder. „Sponsoringeinnahmen gestalten sich jedoch im Rahmen der derzeitigen wirtschaftlichen Situation zunehmend schwierig“, sagt Nakic. Er würde sich daher wünschen, wenn auch der Freistaat mehr Geld für Brauchtumsfeste beisteuert. „Die Belastungen können langfristig nicht mehr allein durch ehrenamtliches Engagement und lokale Unterstützung aufgefangen werden.“

Beim Straubinger Gäubodenfest sind nach Angaben des Betriebsleiters Daniel Winklmaier auch die Ausgaben deutlich gestiegen. „Aber auch vor dem Hintergrund engerer kommunaler Spielräume wird das Gäubodenvolksfest als wichtige freiwillige Leistung betrachtet und mit hoher Priorität behandelt.“ Weitere Einnahmequellen seien Parkplatzvermietungen und der Verkauf von Merchandising-Artikeln. Über Eintrittsgelder wird laut Winklmaier nicht nachgedacht.

„Terrorabwehr ist keine Aufgabe der Städte“

Gleiches ist aus Augsburg vom Plärrer zu hören. Angesichts der höheren Anforderungen an Sicherheitsauflagen fordert deren Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle eine stärkere Förderung von Bund und Länder. Unterstützung bekommt er vom Deutschen Städtetag. „Terrorabwehr ist keine Aufgabe der Städte“, unterstreicht Städtetags-Geschäftsführer Christian Schuchardt (CSU). Veranstaltungen würden sonst „zu finanziellen Risiken für Städte oder zu Verlustgeschäften für Veranstalter, ohne dass diese die Ursachen der Gefahrenlage beeinflussen können“.

Auch die gastropolitische Sprecherin der Freien Wähler, Jutta Widmann, lehnt den Vorstoß des bayerischen Brauerbundchefs ab. Sie betreibt mit ihrer Familie selbst ein großes Bierzelt in Niederbayern. „Ein Volksfest muss für jeden Bürger erschwinglich bleiben“, sagt sie der BSZ. Widmann plädiert dafür, dass die Kommunen einen größeren Teil der Kosten tragen, so wie zum Beispiel auch Theater bezuschusst werden. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die Preisspirale die Menschen vom Feiern abhält.“

Die Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Gabi Schmidt (Freie Wähler), versichert, sich für eine finanzielle Entlastung der Ehrenamtlichen bei Vereins- und Brauchtumsfesten einzusetzen – etwa durch den GEMA-Pauschalvertrag. Dabei übernimmt der Freistaat die Gebühren für gemeinnützige Vereine bei bis zu vier Veranstaltungen pro Jahr. Ob das reicht? Zukünftig will Schmidt auch die Anzeige- und Genehmigungspflichten weiter reduzieren. Die Bürokratie, erzählen viele Veranstalter, sei allerdings ausnahmsweise einmal weniger das Problem als die massiv gestiegenen Kosten. (David Lohmann)

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