Politik

Manuel Knoll sitzt seit 2023 im Landtag. Er hat Betriebswirtschaftslehre und Politologie studiert. (Foto: dpa, Matthias Balk)

02.10.2026

Neuer Jugendminister: "Den Wert des Kompromisses betonen"

Der neue Jugendminister Manuel Knoll (CSU) über die Probleme junger Leute, deren Vorliebe für extreme Parteien und was er dagegen unternehmen will

Überraschend hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Rahmen einer Kabinettsumbildung das neue Amt eines Staatsministers für Jugend und Demokratie geschaffen. Er besetzt es mit dem schwäbischen Abgeordneten und Landeschef der Jungen Union, Manuel Knoll. Was hat Knoll vor?

BSZ:
Herr Knoll, mit Ihnen bekommt Bayern einen Minister für Jugend und Demokratie. Wann haben Sie’s erfahren?
Knoll: Mich hat vergangenen Montag um sieben in der Früh Staatskanzleiminister Florian Herrmann angerufen und mir gesagt, ich soll mich bereithalten, weil sich der Ministerpräsident bei mir melden möchte. Das ist dann am Vormittag passiert.

BSZ: Und, gleich zugesagt?
Knoll: Ich war ja durch den Anruf von Florian Herrmann vorgewarnt, obwohl ich da noch nicht genau wusste, was auf mich zukommt. Ich habe dann gleich zugesagt, weil der Zuschnitt des Ministeriums genau zu dem passt, was ich seit einem Jahr als Vorsitzender der Jungen Union in Bayern mache. Ich habe mich über die Ernennung gefreut, habe aber auch großen Respekt vor der Aufgabe.

„Ich soll das Scharnier sein“

BSZ: Was werden denn konkret Ihre Aufgaben sein?
Knoll: Ich soll das Scharnier sein zwischen der Staatsregierung und den jungen Menschen draußen. Die Jüngeren sollen am Kabinettstisch eine stärkere Stimme und einen eigenen Fürsprecher bekommen. Auf der anderen Seite werde ich versuchen, politische Sachverhalte draußen zu erklären. Das bedeutet, dass ich viel unterwegs sein werde, um mit Jugendverbänden, aber auch mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen in Milieus, die klassische Politik nur noch schwer erreicht.

BSZ: Sie sind 36. Wie nah ist man da noch dran an der Jugend?
Knoll: Ich mag Jugend an keinem Alter festmachen. Ich sehe mein Amt als Auftrag, Politik so zu gestalten, dass kommende Generationen gut leben können und ihre Interessen im Sinne der Generationengerechtigkeit in der Politik gehört werden.

BSZ: Was treibt junge Menschen nach Ihrer Einschätzung aktuell besonders um?
Knoll: Ich spüre eine Verunsicherung aufgrund der Krisen, die uns in immer schnellerer Abfolge treffen und große Auswirkungen auf den Lebensalltag auch junger Menschen haben. Erst war Corona, dann der Ukraine-Krieg und als Folge daraus höhere Energiepreise, Inflation und steigende Lebenshaltungskosten. Dann haben wir heuer den Klimawandel mit dem Dürresommer hautnah erlebt. Das alles führt dazu, dass junge Menschen verunsichert in die Zukunft blicken.

„Das Wichtigste ist der Austausch im direkten Gespräch“

BSZ: Wie wollen Sie junge Menschen als Minister erreichen?
Knoll: Das Wichtigste ist der Austausch im direkten Gespräch. In der heutigen Zeit sind aber auch die sozialen Medien wichtig. Auf Instagram bin ich schon ganz gut unterwegs, meinen TikTok-Account muss ich noch etwas professionalisieren. Ich will versuchen, kreativ zu sein und neue Formate zu testen, an denen sich auch Menschen mit ihren Ideen beteiligen können, die der Politik sonst nicht so nahestehen.

BSZ: Es gibt städtische Milieus, es gibt migrantische Milieus, es gibt die Dorfjugend. Wie wollen Sie dieser Heterogenität der Jugend begegnen?
Knoll: Wichtig ist, dass ich für alle da bin. Ich denke, dass mir da meine Lebenserfahrung helfen wird. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, habe im Studium aber auch in einem Stadtviertel mit sozial benachteiligten Menschen gelebt.

„Mit den Extremen wird gar nichts besser“

BSZ: Was auf alle Milieus gleichermaßen zutrifft: Junge Menschen wählen zunehmend extrem links oder extrem rechts. Haben Sie eine Erklärung?
Knoll: Das hat sicher mehrere Gründe. Das eine ist die schon erwähnte Verunsicherung und ein banger Blick in die Zukunft. Viele stellen sich die Frage, ob sie es später auch einmal so gut haben werden wie ihre Eltern. Es wächst das Gefühl, dass unser politisches System nicht dieselben Chancen bietet wie früher. Junge Menschen setzen ihre Hoffnung deshalb vermehrt in Parteien, die mit einem Systemwechsel eine bessere Zukunft versprechen. Meine Aufgabe wird sein, diesem Gefühl zu widersprechen. Mit den Extremen wird gar nichts besser. Man sieht das an Großbritannien nach dem Brexit und in Trumps USA, wo gerade für normale Menschen nichts besser, sondern wirtschaftlich viel schlechter geworden ist.

BSZ: Wie kann man junge Menschen wieder für die demokratische Mitte begeistern?
Knoll: Ich will klarmachen, dass wir mit unserem politischen Modell einer freiheitlichen Demokratie 80 Jahre sehr gut gefahren sind. Das gilt es zu bewahren und zu verbessern, aber nicht über den Haufen zu werfen, wie es die extremen Ränder fordern. Wir müssen wieder den Wert des Kompromisses betonen. Mit extremen Positionen wird nichts besser. Das sieht man jetzt bei den schwierigen Regierungsbildungen in Sachsen-Anhalt und Berlin. (Interview: Jürgen Umlauft)

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